Ausbildung für die Zukunft

Artikelinfo
Datum: 
21.03.2012
Autor: 
Office Cap Anamur

Das Gesundheitssystem in Afghanistan ist nach drei Jahrzehnten Krieg weitgehend zusammengebrochen, vor allem in den ländlichen Regionen ist die medizinische Versorgung katastrophal. In der Folge leidet das Land leidet unter der höchsten Müttersterblichkeit weltweit. Dabei könnten im Prinzip mehr als 80 Prozent der Frauen gerettet werden, denn die meisten Komplikationen wie erhöhter Blutdruck und Infektionen sind gut therapierbar. Doch es fehlt schlicht an Fachkräften. In dem patriarchal geprägten Land darf die Geburtshilfe in der Regel nur durch weibliches Personal durchgeführt werden. Da aber nur ein Bruchteil der Mädchen eine Schul- und Berufsausbildung bekommt, ist eine massive Unterversorgung zwangsläufig. Deswegen bildet Cap Anamur afghanische Frauen zu Hebammen und Krankenschwestern aus.

Begonnen hat das Ausbildungsprogramm 2009 mit dem Hebammen-Kurs, der nun bereits im zweiten Jahrgang läuft und sich sehr gut etabliert hat. Bei seinem Projektbesuch im Januar dieses Jahres konnte Cap-Anamur-Geschäftsführer Bernd Göken sich in Herat von der guten praktischen Ausbildung überzeugen. „Die Schülerinnen lernen, eine Geburt selbstständig und sicher zu leiten“, so Bernd Göken. „Das ist ein wichtiges Ausbildungsziel, denn nach ihrer zweijährigen Schulung kehren die Frauen in ihre medizinisch unterversorgten Heimatdörfer zurück und leisten dort mit ihrem Wissen einen wichtigen Beitrag.“

Der zweite Ausbildungsblock umfasst die Krankenpflege, genauer gesagt werden 45 Frauen zu Community Health Nurses ausgebildet. Nach ihrem Abschluss arbeiten sie in medizinischen Einrichtungen auf dem Land. Das Besondere an diesem Berufsbild: Die Frauen leisten neben der medizinischen Pflege auch Aufklärungsarbeit innerhalb ihrer Gemeinde. So nutzen sie beispielsweise die Gelegenheit voller Krankenhaus-Wartesäle, um den Patienten die Wichtigkeit grundlegender Hygienemaßnahmen zu vermitteln. Ebenfalls Teil der Gesundheitsaufklärung ist das Thema Vorsorge und Impfung.

Übrigens wird nach ihrem Abschluss je eine Auszubildende der beiden Fachbereiche in dem von Cap Anamur gebauten Krankenhaus mitarbeiten. Im Januar wurde die Einrichtung in Shade eröffnet, seitdem kommen Tag für Tag rund 200 Patienten. Die meisten werden ambulant versorgt, für die schweren Fälle verfügt das Comprehensive Health Center über eine stationäre Abteilung mit 12 Betten.

Langfristiges Ziel des Cap-Anamur-Ausbildungsprojektes ist es, die Qualität der medizinischen Versorgung in entlegenen Dörfern und Randdistrikten zu steigern. Die Provinz Herat ist hier Vorreiter. Vor unserem Projektstart hat es Ausbildungen dieser Art noch nicht gegeben, mittlerweile wurde das Konzept erfolgreich von vier weiteren Provinzen adaptiert.

Cap-Anamur-Ausbildung

Cap Anamur ermöglicht afghanischen Frauen eine zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung zur Hebamme oder Krankenpflegerin. Die Teilnehmerinnen lernen Theorie und Praxis in Lehrkrankenhäusern der Provinzhauptstadt Herat. Während der Ausbildung stellt Cap Anamur Unterkunft und Verpflegung. Auch für die Kinder der Auszubildenden wird gesorgt: sie können währenddessen den Kindergarten oder die Schule besuchen. Die Schülerinnen stammen aus ländlich gelegenen Dörfern und kehren nach ihrem Abschluss in ihre Heimatdörfer zurück. Die Kosten je Ausbildungsplatz betragen 3.200 Euro – eine gute Investition in die Zukunft Afghanistans.

Fotos: Jürgen Escher / Cap Anamur