Goma nach dem Vulkanausbruch

Artikelinfo
Datum: 
20.02.2002
Autor: 
Nani van der Ploeg

Goma ist aus den Schlagzeilen

4 Wochen nach dem Vulkanausbruch

Einige Wohnviertel der Stadt sowie das Zentrum von Goma liegen buchstäblich in Schutt und Asche. "In tiefer gelegenen Vierteln erreichen die Lavamassen eine Höhe von vier Metern. Wenn man darüber geht, ist es noch immer heiß." Das ist der Originalton unseres Arztes Lothar Winkler vier Wochen nach dem Inferno.

Er hat wie alle anderen seine Bleibe gesucht, stand ungefähr auf der Höhe des Daches und konnte von oben in die darunter liegenden Räume schauen, die zur Hälfte mit schwarzer Lava aufgefüllt waren. Goma ist um ca. 3 m "gewachsen", und die Menschen beginnen, sich auf der teilweise immer noch dampfenden Lava einzurichten. Hier gibt es jetzt sogar schon wieder eine Art Straßennetz, etabliert an Häusern vorbei, von denen man, bizarr genug, nur die Obergeschosse sieht. Oder nur das Dach einer Tankstelle.

Der Vorschlag, Menschen außerhalb der Zerstörung neu anzusiedeln ist gescheitert - sie lassen sich nicht unterkriegen und bauen da wieder auf, wo sie alles verloren haben.

Die Familien sind zusammengerückt, Händler teilen sich teilweise einen Laden, und es ist schwierig, im Augenblick Material zu beschaffen, weil das kommerzielle Zentrum von Goma total zerstört ist. Die Journalisten und die Fernsehteams sind nicht mehr vor Ort und einige Hilfsorganisationen sind auch schon wieder verschwunden. Nach heftigen Gewittern und einsetzendem Regen haben viele Menschen Atemwegserkrankungen, die durch die entstandenen Gase hervorgerufen wurden.

Wir helfen, so gut es geht in Goma, Mushaki, Kilolirwe und Burungu. Als erste Nothilfe wurden In Goma sofort nach der Katastrophe 100 t Bohnen aus Rwanda und 50 t Mais aus Uganda importiert und an die Bevölkerung verteilt. Obwohl der Import mit bürokratischen Hindernissen verbunden war, haben wir diese Lebensmittel nicht auf dem lokalen Markt gekauft, um die Versorgungssituation der Bevölkerung nicht noch weiter zu verschlechtern. An insgesamt vier Verteilungsstellen konnten wir somit 8.632 Haushalte versorgen. Mit einer zusätzlichen Medikamentenlieferung an drei Gesundheitsposten in der Stadt haben wir vorläufig die Nothilfemaßnahmen in Goma selbst beendet.

Glücklicherweise sind die anderen Projekte, in denen wir seit dem schrecklichen Bürgerkrieg arbeiten, nicht gefährdet, weil sie außerhalb des Katastrophengebietes liegen, und wir können dort alle notwendige Hilfe leisten. So arbeitet der Gesundheitsposten in Mushaki wie bisher. Die Ernte wurde durch den Vulkanausbruch nicht vernichtet, und das Ernährungsprogramm hat keine Unterbrechung erfahren.

In Kilolirwe müssen wir uns um einen neuen Standort für das Gesundheitszentrum bemühen, weil der Besitzer uns zwingt, das Gebäude zu räumen. Die Bevölkerung hilft tatkräftig mit, ein Terrain für ein provisorisches Gesundheitszentrum vorzubereiten, nachdem das Ernährungszentrum bereits entstanden ist. In der nächsten Woche kann Lothar Winkler wahrscheinlich schon wieder mit der Arbeit beginnen - Material und Medikamente hat er bereits eingekauft.

Zum Schluß Burungu. Hier wurde deutlich, daß die Kapazitäten nicht ausreichen, als es jetzt im Januar durch epidemisch aufgetretene Erkältungskrankheiten und Malaria zu fast 1.000 Fällen kam, von denen 39 Patienten stationär behandelt werden mußten - und das bei nur 4 Betten. Wie wir finden, eine erstaunliche Leistung. Das Ernährungsprogramm für die Kinder hat auch hier trotz der Ereignisse in Goma keine Unterbrechung erfahren.

Eines unser Hauptanliegen in Burungu war und ist jedoch die Schule, die über 4 intakte Klassenräume verfügt, der Rest liegt in Ruinen. Da die Bevölkerung aber hier im letzten halben Jahr um mehr als 5.000 Menschen angewachsen ist, sollen weitere 4 Räume in lokaler Bauweise entstehen. Denn wir haben der Bevölkerung Hilfe für Gesundheitsversorgung und Bildung versprochen. Das heißt, daß wir die primäre Planung realisieren und neben dem Gesundheitszentrum auch eine weitere Schule bauen.

... es gibt noch viel zu tun!