Im Nahostkonflikt ...

Artikelinfo
Datum: 
08.04.2002
Autor: 
Rupert Neudeck

- In Bethlehem sind 2 von 22 Dialysepatienten wegen Ausgangssperre gestorben
- Israels Streitkräfte verletzen die Standards der humanitären Hilfe

Cap Anamur hat es übernommen, die Materialien für 20 Dialysepatienten sofort für die nächsten Wochen zu bezahlen. Zumindest für die 20 Patienten in Bethlehem und Beit Jala. Doch auch die ganz schnelle Benachrichtigung der Botschaft Israels hat nicht verhindert, daß zwei Patienten schon gestorben sind. Wenn ein Dialysepatient nicht dreimal in der Woche die Blutwäsche an den Dialyseapparaten machen kann, stirbt er.

Insgesamt gibt es ca. 220 Dialysepatienten in der Westbank: 50 in Nablus, 50 in Ramallah, 60 in Hebron, 40 in Jenin. Diese sind jetzt in Lebensgefahr. Die Medizindienste sind alle außer Kraft.

Der Chefarzt der Beit-Sahour-Klinik, dem Rupert Neudeck in der Karwoche einen Besuch abstattete: Eine Ambulanz hatte trotz Verbot den Weg zur Klinik genommen, brachte ein vier Jahre altes Mädchen, das eine Röntgenaufnahme brauchte wegen eines gebrochenen Armes. Die Ambulanz konnte vor dem Eingang der Klinik stoppen, wurde sofort von einem Panzer und einem gepanzerten Wagen umstellt. Die Soldaten richteten die Maschinengewehre auf die Ärzte der Klinik. Erst nach 10 Minuten wurde die Mutter des Mädchens in die Klinik gelassen. Die Soldaten betraten mit ihren Waffen die Klinik. Die Soldaten erklärten, es sei Ausgangssperre und niemand, auch keine Ambulanz dürfe sich außerhalb der Wohnhäuser bewegen.

Es war ein verwundeter Patient da, der vom Bethlehem-Hospital zur Beit-Sahour-Klinik verwiesen worden war. Dieser Patient wurde in seinem bettlägerigen Zustand vor drei Tagen von den Soldaten mitgenommen und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Cap Anamur geht davon aus, daß ab heute alle noch lebenden Patienten zu den Dialysemaschinen in die Hospitäler gefahren werden können.

Ceterum censeo: Alle Mitglieder von Cap Anamur waren und sind immer bereit, sich für das Existenzrecht Israels zerreißen zu lassen. Wir halten die Selbstmordattentate nicht nur für verwerflich, sondern für das Ende aller Moral, komme sie von Kant, Schopenhauer, Aristoteles, oder vom Koran, vom Talmud oder Evangelium her.