Neue "Cap Anamur" auf dem Weg nach Westafrika
Zum Abschied meldete sich noch einmal der norddeutsche Winter. Das Schiff und die Hansestadt Lübeck - unser Heimathafen - lagen am Sonntagmorgen unter einer dicken Schneedecke. Nur gut, dass die Ladearbeiten schon am Vorabend abgeschlossen waren - so mußte nur noch der Lotse an Bord kommen und schon konnte Kapitän Stefan Schmidt das Kommando "Leinen los" geben: Die neue "Cap Anamur", in zweimonatiger Arbeit vom Containerfrachter zum Hilfs- und Rettungsschiff umgebaut, startete zu ihrer Jungfernfahrt in Richtung westafrikanische Küste.
Im 50 Meter langen Laderaum des Schiffes sind die Hilfsgüter fest vertäut - von den medizinischen Apparaten über die Dachkonstruktion für unser Hospital in Bong-Town/Liberia bis hin zu den beiden Unimogs, die für die Teams in Liberia und Angola bestimmt sind. Bei Zwischenstopps in Rotterdam und Lissabon sollen weitere zehn Container mit Krankenhausbetten und Einsatz- und Ambulanzfahrzeuge geladen werden. Ein Fernsehteam des Norddeutschen Fernsehens begleitete das Manöver und entlang der Trave winkten immer wieder Spaziergänger zu dem Schiff herüber, das in den letzten Wochen schon fast zu einem festen Bestandteil des Lübecker Stadtbilds geworden war. Mit dem aus Containern aufgebauten Decks-Hospital ist die "Cap Anamur" leicht zu erkennen. Dort gehen während der rund zweiwöchigen Fahrt die Vorbereitungen für den ersten Einsatz weiter. Komitee-Techniker Mike Bratzke und der Internist Volker Neuhoff sind in ihren Overalls von den übrigen Besatzungsmitgliedern schon kaum noch zu unterscheiden. Und das ist auch gut so: Schließlich soll hier aus unseren Komitee-"Landratten" und den Seeleuten ein starkes Team zusammenwachsen, das gemeinsam jenem Ziel dienen soll, das unsere "Taufpatin" Hai-Ly Bui bei der feierlichen Nemensgebung für das Schiff formuliert hatte.
"Ich wünsche diesem Schiff, daß es möglichst viele Menschen rettet und ihnen eine schöne Zukunft bereitet", sagte die 17jährige Münchnerin, deren Eltern als vietnamesische Bootsflüchtlinge von der damaligen "Cap Anamur" nach Deutschland gekommen waren. Die Abfahrt des Schiffes war ursprünglich für den 15. Februar geplant - doch kleinere technische Pannen und besonders gründliche Behördenvertreter (schließlich fahren wir unter deutscher Flagge!) sorgten immer wieder für Verzögerungen. Aber wie sagt der erfahrene Seemann: Beides bringt man lieber im Hafen hinter sich, als draussen auf hoher See !
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