Presse-Erklärung
Wir bedanken uns bei all denjenigen, die uns in dieser schwierigen Situation unterstützen und ihre Solidarität bekunden. Wir haben mit Erleichterung erfahren, dass es eine große Anzahl engagierter und fairer Berichterstattung gegeben hat und gibt.
In den Medien werden aber auch zum Teil heftige Vorwürfe gegen Cap Anamur erhoben. Bei derartigen Kommentaren haben wir den Eindruck, dass die Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen im Mittelmeer und der massive Gang an die Öffentlichkeit, um sie zu schützen und auf ein grundsätzliches Problem europäischer Flüchtlingspolitik hinzuweisen, falsch bewertet werden.
So wird von einzelnen JournalistInnen behauptet, es wäre Cap Anamur nur um eine "Medieninszenierung" bzw "PR-Aktion" gegangen:
Wäre dem Schiff von den italienischen Behörden nicht - die bereits erteilte - Erlaubnis entzogen worden, in den Hafen Porto Empedocle, einzulaufen, hätte die entstandene Problematik sofort gelöst werden können.
Hätten die italienischen Behörden - oder andere europäische Länder - die Aufnahme der 37 Afrikaner mit einer menschenwürdigen Zukunft zugesagt, wäre wir alle froh gewesen, dass wir effektiv helfen konnten.
Dabei sei daran erinnert, dass der Bürgermeister von Rom - und auch andere Bürgermeister in Italien - die Aufnahme der 37 angeboten haben.
Wir erlauben uns, die Frage zu stellen:
Was wurde bis jetzt getan um diese menschliche Katastrophe im Mittelmeer zu beenden?
Elias Bierdel hat sich auf einer Pressekonferenz auf dem Schiff bei den italienischen Behörden ausdrücklich entschuldigt, sofern Vorschriften nicht ausreichend beachtet worden seien.
Er ist nach Aufnahme der Schiffbrüchigen an Bord gegangen, um die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung nicht dem Kapitän oder der Mannschaft aufzubürden.
Und von Anfang an war sein Bestreben, den 37 eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen und darüber hinaus die europäischen Gesellschaften wachzurütteln.
Wie die "normale" Zukunft von Flüchtlingen - bei Erreichen des Festlandes - aussieht, bekommen wir gerade wieder vorgeführt: die 37 wurden festungsähnlich eingesperrt. Nach unserer Kenntnis gab es bisher für diese Menschen keine erlaubte Unterstützung von außen, auch keine Möglichkeit der Rechtsberatung.
Sollen wir das alles so hinnehmen?
Setzt sich die Inhumanität doch wieder durch?
In aller Bescheidenheit wollen wir auf unsere langjährige Arbeit für die Ärmsten der Armen in Afrika, Afghanistan, Tschetschenien, Irak, Haiti hinweisen. Medizinische Hilfe und Aufbau von Infrastruktur dort, wo sonst kaum jemand hilft.
Über die zahlreichen Projekte kann sich jeder auf unseren Projektseiten informieren. Wir arbeiten ohne staatliche Unterstützung mit ca. 170.000 Spendern. Ihnen sei besonders gedankt.
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