Krieg in den Nuba-Bergen

Artikelinfo
Datum: 
26.09.2011
Autor: 
Office Cap Anamur

Wie lange wir die Menschen in den Nuba-Bergen noch medizinisch unterstützen können, ist derzeit leider ungewiss. Ebenso ungewiss wie die Zukunft des Nuba-Volkes. Denn die Regierung in Khartum führt einen brutalen Krieg gegen sie. Es geht um die Vormachtstellung im Bundesstaat Südkordofan, in dem das Gebiet der Nuba-Berge liegt. Seit der Unabhängigkeit des Südsudans im Juli kämpfen die Anhänger der Nationalen Regierungspartei (NCP) und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA-N) darum. Nach den Gouverneurswahlen Mitte des Jahres, bei denen beide Seiten den Wahlsieg für sich beanspruchten, versuchen sie nun, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Die Kämpfe haben bereits zahlreiche zivile Opfer gefordert.

Inmitten der umkämpften Region betreut Cap Anamur mehrere Gesundheitseinrichtungen, darunter vier sogenannte Health Posts und zwei Krankenhäuser. Bereits im Juni mussten wir unsere Mitarbeiter für mehrere Wochen aus den Nuba-Bergen heraus holen und in Sicherheit bringen. Erst vor wenigen Wochen konnte unser langjähriger Mitarbeiter Raphael Veicht gemeinsam mit Techniker Georg Rossmair zurück in die Region kehren. Wir unterstützen so viele Menschen wie möglich medizinisch. Doch mittlerweile wird auch die Beschaffung von Medikamenten und Nahrungsmitteln immer schwieriger.

Aufgrund der täglichen Angriffe sind unsere Mitarbeiter jederzeit für eine erneute Evakuierung bereit. Momentan finden Gefechte an mehreren Stellen rund um unsere Projektstandorte statt, auch teilweise nur wenige Kilometer entfernt liegende Orte wurden bombardiert. Wir fürchten, dass mit dem Ende der Regenzeit im Oktober zu den Luftangriffen zusätzlich Bodenoffensiven gestartet werden. Die Regierung spricht von mehreren Zehntausenden Binnenflüchtlingen, viele Menschen sind in die Bergregionen geflohen und konnten daher ihre Felder nicht bestellen, geschweige denn die Ernte einholen. Etliche Dörfer sind von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

Das Leben in den Nuba-Bergen - hier in friedlichen Zeiten

Cap Anamur engagiert sich seit 1997 in den Nuba-Bergen und deren Bevölkerung setzt große Hoffnungen auf unsere Hilfe. Doch im Falle einer erneuten Evakuierung unserer Mitarbeiter wird es uns kaum mehr möglich sein, diese Menschen zu unterstützen. Sie haben den Gräueltaten außer einer Flucht nichts entgegensetzten. Bedauerlicherweise dürfen diese Menschen auch von Außen keine Hilfe erwarten. Denn ihr Schicksal findet weder in unserer Öffentlichkeit noch in der Politik statt – die Welt scheint die Augen vor den fürchterlichen Verbrechen zu verschließen, die im Sudan stattfinden. Das ist unverständlich. Insbesondere, weil es sich bei dem Verantwortlichen um Gouverneur Ahmed Haroun handelt. Ein Mann, der vom Internationalen Strafgerichtshof längst wegen Kriegsverbrechen gesucht wird.