Zugang in die Nuba-Berge versperrt

Artikelinfo
Datum: 
12.12.2011
Autor: 
Office Cap Anamur

Nachdem die Kämpfe in den Nuba-Bergen immer brutaler wurden, mussten wir unsere Mitarbeiter Anfang Dezember vorerst ins Nachbarland Kenia ausfliegen. Nun wartet das dreiköpfige Team mit 10 Tonnen Hilfsgütern in Nairobi darauf, Medikamente und medizinischen Geräte in das von Cap Anamur unterstütze Krankenhaus und die Gesundheitsposten zu bringen. Doch seitdem die nordsudanesische Luftwaffe versucht hatte, ein Hilfsgüter-Flugzeug für die Menschen in den Nuba-Bergen zu bombardieren, starten keine zivilen Flugzeuge zum Medikamententransport in das Gebiet. Wegen schwerer Gefechte ist nun auch der Landweg versperrt und somit gibt es keinen Zugang mehr zu der Region. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten. Dabei brauchen die Nuba dringend Arzneimittel und medizinische Versorgung“, berichtet Raphael Veicht.

Nach wie vor findet dieser Bürgerkrieg in der Weltöffentlichkeit wenig Raum, dabei kämpft die nordsudanesische Regierung seit Anfang Juni brutaler als je zu vor gegen das eigene Volk. Satellitenbilder liefern Hinweise auf Massengräber und Human Right Watch sowie Amnesty International warnen vor einem „neuen Darfur“. Die Regierung unter dem vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Präsidenten Omar Al-Bashir bombardiert aus der Luft Dörfer, Wasserstellen und Posten der SPLA-nord. Seit der vergangenen Woche wurden sogar mehrere Dörfer ohne irgendeine militärische Bedeutung mit Kurzstreckenraketen beschossen und das Gebiet in der unmittelbaren Nähe des Flüchtlingslagers Yida mit rund 30.000 Bürgerkriegsflüchtlingen im nun autonomen Südsudan bombardiert.

Die an der nördlichen Grenze zum Südsudan verbliebenen Rebellen der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee sind ihrem Gegner zahlen- und kräftemäßig weit unterlegen - dabei sind auch die meisten Kämpfer der SPLA-nord keine ausgebildeten Soldaten. Es sind Bauern und Handwerker, die versuchen, ihre Familien vor einem Genozid zu schützen; es ist der Kampf um das Überleben einer ethnischen Minderheit im Nordsudan. Die Bevölkerung der Nuba-Berge hat keine andere Wahl, als sich vor den fürchterlichen Bombenabwürfen kreisender Antonov-Flugzeugen in Erdlöchern, Flussbetten oder in den Höhlen der Berge zu verstecken.

In der Region der Nuba-Berge gibt es kaum richtige Straßen und nur wenig Schulen und Krankenhäuser, selten Elektrizität. Die schwarzafrikanischen Nuba, unter denen sowohl Christen als auch Muslime leben, gelten als sehr tolerant gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Ausgerechnet hier stoßen der schwarzafrikanische Süden und der arabisch-stämmige Norden aneinander. Schon während des über zwei Jahrzehnte andauernden Bürgerkriegs kämpften die Nuba an der Seite von John Garangs Sudan People Liberation Army. Das in 2005 getroffene Friedensabkommen endete in diesem Jahr mit der Unabhängigkeit des Südsudan. Süd-Kordofan allerdings blieb Teil der Republic of Sudan im Norden. Das im Friedensvertrag festgeschriebene Versprechen auf eine Volksbefragung in den nördlichen Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blue Nile, in der die Menschen dort über die Zugehörigkeit zum Norden oder Süden hätten frei entscheiden sollen, hatte Präsident Bashir kategorisch abgelehnt. Der Kampf der Nuba um ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung hat bereits Hunderte Menschen das Leben gekostet und Tausende in die Flucht in die Berge getrieben. Doch die internationale Staatengemeinschaft bleibt weiterhin untätig.