Weihnachten - ein urafrikanisches Fest

Artikelinfo
Datum: 
22.12.2011
Autor: 
Alfred Pfeifer

„I‘m dreaming of a white Christmas …” – das ist nur einer der vielen Weihnachtsschlager, die aus dem Radio dröhnen. Und jedes Mal, wenn ich das Lied in diesen Tagen höre, wird es mir ein wenig wehmütig ums Herz. Es weckt Sehnsüchte und kindliche Erinnerungen – hat meine Vorstellung von Weihnachten doch wenig zu tun mit der afrikanischen Wirklichkeit.

Während Europa zu dieser Jahreszeit schon mal unter einer weißen Schneedecke liegt, herrschen hier Temperaturen um die 35 Grad. Es bläst ein heißer Ostwind, der ohne Rücksicht auf die Weihnachtszeit alles mit einer Staub- statt einer Schneeschicht bedeckt. Von einer staden Zeit – wie wir Bayern die stille Zeit nennen – kann absolut nicht die Rede sein. Doch unbestritten ist Weihnachten auch hier ein Fest der Familie. Und unbestritten auch das wichtigste des Jahres.

Jeder versucht, zu Weihnachten nach Hause zu kommen, zur seiner Familie ins Heimatdorf. Koste es, was es wolle. Und so muss man sich mitunter verwundert die Augen reiben, wenn luxuriöse Karossen von Geschäftsmännern, die es in Soroti oder dem entfernten Kampala zu etwas gebracht haben, hier in den abgelegenen Dörfern auftauchen, um mit dem Clan und der Familie zu feiern.

Weihnachten wird hier nicht nur als die Geburt Jesu betrachtet, es ist viel mehr das Bewusstwerden seiner Wurzeln, eingebettet in eine weitverzweigte Familie. Und der Wunsch, dorthin zurückzukehren, dem man sich nicht entziehen kann. Und so kommt auch der Direktor, der in den USA einer NGO vorsteht, an Weihnachten zurück in sein kleines Dorf, in dem vor Jahrzehnten alles seinen Anfang nahm.

Hätte die Kirche nicht das Urheberrecht auf Weihnachten, so müsste es auf Afrika übertragen werden – so urafrikanisch ist dieses Fest. Das afrikanische Weihnachten hat allerdings mit Schenken wenig zu tun. Vielmehr geht es um das gemeinsame Feiern, das Zusammensein und sich füreinander Zeit zu nehmen. Man freut sich, weil man zusammen ist. Somit unterscheidet es sich ein wenig von unserem Weihnachten, bei dem Geschenke leider oft zu sehr im Vordergrund stehen.

Aber so schön es auch ist, das gemeinsame Feiern, Lachen und Tanzen – eines vermisse ich schon: Weiße Weihnachten! Schnee erscheint mir hier als wahrer Luxus! Ein Schneesturm, welche Labsal! So bleibt mir nur ... „I’m dreaming of a white Christmas“. Und wir wünschen allen zu Hause frohe Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr!