Denkmal für Rupert Neudeck enthüllt

TROISDORF. „Neudecks Gewissen war ihm Befehl. Einen solchen Menschen traf ich nie wieder. Rupert Neudeck war einzigartig“, so erinnerte sich Norbert Röttgen, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, an den Cap Anamur Gründer. Neben etwa 800 Gästen, darunter viele mit vietnamesischen Wuzeln, waren am Samstag, 12. Mai 2018 auch zahlreiche prominente Freunde und Verehrer Rupert Neudecks nach Troisdorf gekommen. Dort fand die Denkmalenthüllung für den Cap Anamur-Gründer statt. Gestiftet wurde das Denkmal von der vietnamesischen Gemeinde in Deutschland. Es zeigt ihre Dankbarkeit und soll nächste Generationen an ihre Rettung erinnern.

Weder furchtsam noch tollkühn

Feierlich wurde das Denkmal in Troisdorf enthüllt. (Foto: Bähr)

Die Bronzetafel mit dem Konterfei Neudecks und dem Wahlspruch seiner Geburtsstadt Danzig („Weder furchtsam noch tollkühn“), steht nun hinter der Burg Wissem in Troisdorf. Den Ort für das Denkmal hatte sich Christel Neudeck ausgesucht. Für das Denkmal hat die vietnamesische Gemeinschaft Geld gesammelt. Die von Joost Meyer aus Aachen geschaffene Bronzetafel drückt die tiefe Dankbarkeit der vietnamesischen Gemeinde aus und soll zugleich an die Geschichte ihrer Rettung erinnern. Über 11.000 vietnamesische Flüchtlinge, die „Boat People“, hatte Rupert Neudeck zusammen mit seiner Frau Christel Neudeck und einigen Unterstützern, darunter Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, aus dem Südchinesischen Meer gerettet. 1979 charterte Rupert Neudeck ein Schiff und gründete das Komitee Ein Schiff für Vietnam. 1982 wurde die Organisation in Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V. umbenannt. Namensgeber war der Frachter Cap Anamur, mit dem die ersten Flüchtlinge gerettet und nach Deutschland gebracht wurden.

Die Enthüllung des Denkmals nahmen Christel Neudeck, Bürgermeister Rudolf Eich und Thomas Huan Nguyen von der vietnamesischen Gemeinde vor. Es lädt nun alle Spaziergänger dazu ein, sich auf den Steinen davor niederzulassen.

„Rebell aus Nächstenliebe“

Ehrengast der Feier zur Enthüllung des Denkmals war Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble. Nachdem er sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, hielt er eine ergreifende Rede auf den Cap Anamur-Gründer. Darin lobte er dessen radikale Haltung bei humanitären Fragen und bezeichnete Neudeck als einen „Rebell aus Nächstenliebe“. Er handelte nach einem moralischen Imperativ, sagte Schäuble, der Neudeck und dessen Familie selbst gut kannte, vor seinem globalen Verantwortungs­bewusstsein hatte sich keiner verstecken können, er schonte niemanden, am wenigsten sich selbst.

Marcel Neudeck, der Sohn von Christel und Rupert Neudeck, sprach für seine Familie. Er habe seinen Vater als glücklichen Menschen erlebt, sagte er in seinem sehr persönlichen Beitrag. Anschließend las seine Mutter Briefe vor, die Bundeskanzlerin Merkel und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen an sie geschrieben haben.

Musikalisch wurde die Veranstaltung vom vietnamesischen Chor der Heilig Geist Gemeinde aus Hamburg unter Leitung von Son-Lam Nguyen begleitet. Er sang die deutsche und die vietnamesische Hymne, das Cap-Anamur-Lied sowie das Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten.“

Feierlichkeiten in der Stadthalle

Nach der Enthüllung wurde in der Stadthalle Troisdorf weitergefeiert. (Foto: Bähr)

Im Anschluss an die Enthüllung des Denkmals an der Burg Wissem, wurden die Feierlichkeiten in die Troisdorfer Stadthalle verlegt. Hier sprachen unter anderem der Journalist Franz Alt, der eng mit Neudecks verbunden war und durch dessen Hilfe die Finanzierung der ersten Cap Anamur erst möglich wurde, und Cap Anamur-Geschäftsführer, der viele Reisen mit Rupert Neudeck unternommen hatte und diesen als seinen „humanitären Vater“ bezeichnete, über den 2016 verstorbenen Humanitären. Auch Christel Neudeck fand bewegende Worte, um ihren Stolz auf ihren Mann und die große, ihnen noch immer sehr verbundene, vietnamesische Gemeinde auszudrücken.

Rupert Neudeck starb am 31. Mai 2016 an den Folgen einer Herzoperation. Heute, am 14. Mai 2018, wäre er 79 Jahre alt geworden.

Zur Rede des Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble

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