Aktuell: Minen gefährden Zivilisten und Helfer

Im Jahr 2017 waren 87 Prozent der Menschen, die durch Unfälle mit Landminen und Sprengfallen ums Leben kamen, Zivilisten – fast die Hälfte von ihnen waren Kinder. In den Nuba Bergen, einem noch immer umkämpften Gebiet zwischen Sudan und Südsudan, in dem Cap Anamur seit 20 Jahren ein Krankenhaus sowie mehrere Gesundheitsposten betriebt, sind erst letzte Woche zwei Kinder durch eine Landmine getötet worden, drei weitere wurden verletzt. Es ist bei weitem nicht der erste Fall dieser Art. Heute, am 4. April, machen die Vereinten Nationen mit dem „Internationalen Tag der Minenaufklärung“ (engl. „International Day for Mine Awareness“) auf die anhaltende Gefahr durch Minen und Blindgänger aufmerksam.

Nicht detonierte Bombe in den Nuba BergenMinen, Streubomben und andere explosive Kriegsreste fordern weltweit mehrmals täglich Opfer. Die genaue Anzahl der verlegten Minen ist unbekannt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass circa 110 Millionen Landminen in über 70 Ländern dieser Welt verlegt wurden, bevor Antipersonenminen 1997 verboten wurden. Bereits Rupert Neudeck sagte: „Das Ende der Waffengattung ist erst erreicht, wenn alle Minen verboten, geächtet und verschwunden sind. So, wie man nicht halb schwanger werden kann, kann man auch eine Teufelswaffe nicht zu einem Viertel verbieten und zu drei Vierteln bestehen lassen“.

„Das angestrebte Ziel ist nicht erreicht“

Die sogenannte „Ottawa-Konvention“ von 1997 ist ein völkerrechtlicher Vertrag zum Verbot von Antipersonenminen. Inhalt des Abkommens, das insgesamt 164 Staaten unterzeichneten, war das Verbot von Einsatz, Produktion, Lagerung und Weitergabe dieser Waffen. Zusätzlich schreibt die Konvention die Vernichtung von Lagerbeständen, die Räumung minenverseuchter Gebiete sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Minenopferhilfe vor.

„Auch heute kann man klar sagen, dass Minen noch immer in fast allen Konfliktregionen eingesetzt werden. Wir müssen in den Einsatzländern oft erst klären, ob die Straße und die Region befahrbar ist. Es ist besser als vor 20 Jahren, aber das angestrebte Ziel aus dem Ottawa Abkommen ist nicht erreicht“, so Cap Anamur-Geschäftsführer Bernd Göken.

Cap Anamurs langer Kampf gegen Minen

Der Kampf gegen Minen hat bei Cap Anamur eine lange Geschichte. In Angola betrieben wir einige Jahre lang ein Projekt zur Vernichtung von Landminen. Mit umgebauten Panzern, Minendetektoren und in mühsamer Handarbeit räumte das Team in Angola tausende Minen und rettete so vielen Menschen das Leben. Die Troisdorfer Firma Dynamo Nobel verklagte 1994 Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck, der sich gegen den Export von Minen in Entwicklungsländer ausgesprochen hatte und die Sprengstofffirma in diesem Kontext als „verbrecherische Firma“ bezeichnet hatte. Die Klage der Firma wurde allerdings vor Gericht zurückgewiesen.

Im Sudan sind die Helfer von Cap Anamur nun erneut mit der zerstörerischen Wirkung von Landminen konfrontiert. Regelmäßig behandeln sie im Krankenhaus in Lwere Opfer von Minen, häufig ist ihnen nicht mehr zu helfen. „Oft werden die Minen wild verlegt und treffen dann besonders die Zivilisten. In den Nuba Bergen habe ich sogar schon erlebt, dass Minen gezielt rund um eine Wasserpumpe verlegt wurden“, sagte Göken. Leidtragende sind – wie so oft in Kriegen – die Männer, Frauen und Kinder, die mit all den militärischen Auseinandersetzungen überhaupt nichts zu tun haben. Gerade das macht Cap Anamur zu einer nicht wegdenkbaren Hilfe für die Menschen in den Nuba Bergen.