Pressemeldung – 40 Jahre Cap Anamur

40 Jahre Cap Anamur

Hilfsorganisation feiert in Köln großes Jubiläum

„Wie gut, dass es Cap Anamur gibt“, schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort, dass Moderatorin Andrea Moos bei der Jubiläumsveranstaltung am Samstag, 31. August, verlas. Vor 40 Jahren hatten Rupert und seine Frau Christel Neudeck die Hilfsorganisation gegründet. Dieses Jubiläum feierte der Verein mit hochrangigen Gästen wie Ministerpräsident Armin Laschet, Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Cap Anamur Gründerin Christel Neudeck, Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, Cap Anamur Vorsitzenden Dr. Werner Strahl, Cap Anamur Geschäftsführer Bernd Göken und Dr. Nellie Bell, einer von drei Kinderärztinnen aus Sierra Leone. Der Festakt fand im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum statt. Für die musikalische Begleitung sorgten das Schulorchester des Rupert Neudeck Gymnasiums aus Nottuln sowie die Deutsch-Marokkanische Band Kenitra.

„Wir brauchen heute wieder den ‚Geist von 79‘. Menschen, die in Not geraten und auf dem Mittelmeer drohen zu ertrinken, brauchen Solidarität“, sagte Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Er führte weiter an: „Cap Anamur mit seinem guten Namen und mit seinen Projekten in aller Welt kann uns dabei wachrütteln“. Zudem kritisierte Ministerpräsident Armin Laschet den scheidenden italienischen Innenminister Matteo Salvini, der in der Flüchtlingspolitik einen extrem harten Kurs fährt

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zog Parallelen zwischen der Seenotrettung durch die Cap Anamur und der aktuellen Lage auf dem Mittelmeer. Seenotretter verdienten den Respekt aller, sagte die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass aus Helfern Täter werden»“, so Reker.

Für Christel Neudeck, Mitgründerin der Hilfsorganisation, hatte dieser Abend auch eine besonders emotionale Bedeutung. Als sie vor 40 Jahren zusammen mit ihrem im Mai 2016 verstorbenen Ehemann Rupert Neudeck ein Schiff charterte, um die im Südchinesischen Meer ertrinkenden Vietnamesischen Flüchtlinge zu retten, hätte sie sich kaum träumen lassen, dass ihre „naive Tat“, wie Christel Neudeck selbst sagte, 40 Jahre später eine erfolgreiche und weltweit agierende Hilfsorganisation sein würde. Neben dem Stolz schwang jedoch auch Trauer mit, dass Rupert Neudeck dieses Jubiläum nicht mehr erleben durfte.

Auch der Journalist Günter Wallraff ehrte die Hilfsorganisation, die er bereits seit Jahren unterstützt. So hatte Wallraff zum Beispiel eine Mädchenschule in Afghanistan, die von Cap Anamur gebaut und gefördert wurde, finanziert. In seiner Rede lobte er unter anderem den kleinen Verwaltungsapparat der Organisation. So arbeiten im Büro in Köln-Ehrenfeld lediglich fünf Angestellte. „Hier versickern die Spendengelder nicht in einem überbordenden Verwaltungsapparat“, sagte der Journalist Günter Wallraff.

Der Vorsitzende von Cap Anamur, Dr. Werner Strahl, lobte den Mut und die Einsatzfreude der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf der ganzen Welt in Cap Anamur Projekten tätig sind. Aktuell betreibt der Verein Projekte in zehn verschiedenen Ländern.

Einige davon stellte Bernd Göken, Geschäftsführer der Hilfsorganisation, kurz vor. So berichtete er unter anderem eindrücklich, wie sich die Mitarbeiter in den Nuba Bergen, einer Region im Süden des Sudans, teilweise stundenlang in sogenannten ‚Foxholes‘, Löcher im Boden, verstecken müssen, sobald die Antonovs über dem Gebiet kreisen und Bomben abwerfen. „Das Schönste wäre, wenn wir in einer Welt leben würden, in der es Cap Anamur nicht mehr braucht, aber davon sind wir leider noch weit entfernt und manchmal habe ich das Gefühl wir entfernen uns immer weiter“, so Göken.

Dass es Cap Anamur aktuell noch braucht, zeigte auch Kinderärztin Dr. Nellie Bell, die nicht nur berichtete, wie Cap Anamur das einzige Kinderkrankenhaus in der Region seit Jahren unterstützt, sondern auch in der Zeit von Ebola dem Land zur Seite stand. „Nur die Cap Anamur ist geblieben.“ Die junge Ärtztin aus Sierra Leone hatte in Deutschland studiert und ging mit Hilfe von Cap Anamur 2011 als Kinderärztin in ihre Heimat zurück, um den Menschen vor Ort zu helfen.

Musikalisch wurde das Jubiläum vom Schulorchester des Rupert Neudeck Gymnasiums begleitet, welches eigens für den Anlass aus Nottuln angereist war und die Stücke „At your side“ von The Corrs, „Fields of gold“ von Sting und „People“ von Birdy zwischen den Redebeiträgen spielte. Die Deutsch-Marokkanische Band Kenitra, bestehend aus den Musikern Brahim, Jaouad und Felix, rundeten das Event mit emotionalen Liedern ab und spielten im Anschluss im Foyer noch einige weitere Stücke.

Der Verein stellte außerdem sein neues Fotobuch vor, das Cap Anamur zusammen mit dem Fotografen Jürgen Escher vor kurzem herausgebracht hatte und welches umfangreiche Einblicke in verschiedene Projekte gibt. Das Buch konnte am Samstagabend bei der Veranstaltung und auf der Homepage des Vereins für 29.90 Euro zuzüglich 4,50 Euro Versand gekauft werden.

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