100. Geburtstag von Heinrich Böll

Ehrentag eines radikalen Humanisten

„Neudeck, das müssen wir tun, aber machen Sie es ganz breit. Nicht nur mit einer Kirche oder einer Partei“. Mit diesen Worten ermutigte Heinrich Böll vor 38 Jahren Rupert Neudeck zur Rettung der vietnamesischen Flüchtlinge aus dem Südchinesischen Meer. Damit war der erste Schritt zur Gründung der Organisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e.V. getan. Gemeinsam gründeten Heinrich Böll, Rupert Neudeck und seine Frau Christel Neudeck das Komitee „Ein Schiff für Vietnam“. Sein Leben lang unterstütze Heinrich Böll die humanitäre Arbeit der Organisation wo er nur konnte. Heute wäre der Schriftsteller 100 Jahre alt geworden.

Bevor Rupert Neudeck die Cap Anamur charterte, um die in Seenot geratenen Flüchtlinge im Südchinesischen Meer zu retten, arbeitete er viele Jahre als Journalist. Für den WDR hatte er zwei Interviews mit Böll geführt und ihn sofort als vertrauenserweckenden Menschen wahrgenommen. Als er von der Not der vietnamesischen Flüchtlinge hörte, zögerte er nicht lange und schrieb einen Brief an den renommierten Schriftsteller, in dem er ihn um Unterstützung bat. Am nächsten Tag klingelte in der Redaktion das Telefon: Heinrich Böll hatte den Brief gelesen und war von der Idee begeistert.

Rettung von Flüchtlingen im Südchinesischen Meer

„Ich bin der Meinung, daß man Menschenleben retten soll, wo man sie retten kann. Und keine Institution, die Leben zu retten vermag, darf auf offener See Selektion betreiben. Das hieße ja, Menschen willkürlich zum Tode zu verurteilen“, sagte der Nobelpreisträger im Interview mit dem Spiegel im Oktober 1981. Thema des Interviews war die Rettungsaktion durch die Cap Anamur. Auch damals waren Stimmen laut geworden, die gegen die Rettung der Flüchtlinge polemisierten. Mit derselben humanitären Radikalität, die auch Rupert Neudeck antrieb, verteidigte Böll das Unternehmen. Auf die Frage nach Kriminellen unter den Flüchtlingen antwortete er: „Ich würde auch einen ertrinkenden Zuhälter retten. Ich würde sogar einen ertrinkenden Zuhältermillionär retten, weil ich mir nicht anmaßen kann, jemanden ertrinken zu lassen“.

Heinrich Böll gilt als einer der bedeutendsten Nachkriegsschriftsteller. In seinen Werken behandelt er Themen wie Menschlichkeit, Liebe und Treue. Die Themen sind heute aktueller denn je. Zwar hat Cap Anamur die Projekte vom Wasser aufs Land verlagert, doch gehen wir auch heute noch mit derselben radikalen Humanität in die Krisengebiete, wie es Neudeck und Böll taten. Ohne ihren Einsatz, wäre unsere Arbeit heute nicht möglich.