20 Jahre Hilfe in den Nuba-Bergen – Ein Rückblick

„Die Nuba-Berge waren schon immer etwas Geheimnisvolles“, so beginnt Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur, seinen Bericht über unsere Projektarbeit im Südsudan in seinem Buch Die Menschenretter von Cap Anamur. Als wir vor 20 Jahren ein Krankenhaus in dem Gebiet errichteten, waren Sudan und Südsudan noch nicht gespalten und die Nuba-Berge noch nicht Teil eines furchtbaren Bürgerkrieges. Doch ruhig war es in dem Gebiet schon lange nicht mehr. Seit Jahren rebellieren Milizen gegen die Regierung von Präsident Al-Baschir in Khartum, die schon seit Jahrzehnten an der Macht ist. Der jüngste, sogenannte zweite Sudan-Krieg, brach im Jahr 2011 nach der Unabhängigkeit des Südsudans aus. Dabei nahm die sudanesische Regierung nicht nur die Rebellen ins Visier, sondern zeichnete sich in ihrer Kampfstrategie auch dadurch aus, rigoros gegen Zivilisten vorzugehen.

Wir begannen unsere Arbeit in dem von Bürgerkriegen gebeutelten Gebiet im November 1997 in Kauda. Im Gegensatz zu den anderen Ländern, in denen wir humanitäre Hilfe leisteten, war unsere Anwesenheit hier nicht erwünscht. Da die Menschen in dem Gebiet jedoch auf Hilfe angewiesen waren, nahmen wir unsere Arbeit illegal und gegen die Anweisung der Regierung auf. Immer wieder wurde dabei versucht, unsere humanitäre Arbeit in dem Gebiet zu behindern. Ein Jahr, nachdem wir unsere Klinik in einem Steinhaus in Kauda errichtet hatten, wurden wir bombardiert. Die Regierung hatte das von oben deutlich sichtbare Krankenhaus ausgemacht und wollte uns so zwingen, unsere Arbeit einzustellen. Doch ließen wir uns davon nicht abschrecken. Unser nächstes Hospital erbauten wir an einem deutlich schlechter einsehbaren Punkt. Hier entstanden nach und nach verschiedene Gebäude, so dass wir schon bald die Bevölkerung der Nuba-Berge umfassend medizinisch versorgen konnten. Auch wenn unsere Arbeit vor Ort oft gefährlich ist, lassen sich unsere Mitarbeiter davon nicht abschrecken.

Schwierig ist bis heute der Zugang in die Nuba-Berge und damit auch der Transport von Hilfsgütern und Medikamenten. Da es im Sudan keine Möglichkeit gibt, die nötigen Mittel zu kaufen, müssen sie halbjährlich eingeflogen und in einer mehrtägigen Fahrt zu unserem Krankenhaus gebracht werden. Die Medikamente, Baumaterialien und Lebensmittel müssen dann für unser Krankenhaus in Lwere sowie sechs weitere medizinische Einrichtungen im Umland, darunter drei kleinere Krankenhäuser und einem Labor transportiert werden – entsprechend genau und vorausschauend muss die Bestellung sein. Die Lieferung und Verteilung der rund 30 Tonnen Material ist eine logistische Herausforderung: Aufgeteilt in drei Flugzeugladungen, die nacheinander an der Flugpiste im südsudanesischen Jida ankommen, werden die Hilfsgüter in LKWs und Autos geladen. Die fast 250 Kilometer zu unserem Krankenhaus in Lwere auf den in weiten Stecken miserablen Straßen und matschigen Pfaden können oft nur in Schritttempo zurückgelegt werden. Bei guten Wetterverhältnissen dauert dies einen Tag, in der Regenzeit hingegen kann die Fahrt bis zu einer Woche beanspruchen.

„Die Menschen hier bauen auf uns – heute mehr denn je“, so Johannes Plate. Der Krankenpfleger ist seit gut vier Jahren in unserem Projekt in den Nuba-Bergen. Er hat den Krieg in den Nuba-Bergen miterlebt und die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, die teilweise schwer traumatisiert sind und bei denen der Krieg zum Alltag gehört, den Mitarbeitern im Krankenhaus von Cap Anamur vertrauen. Über 25.000 Patientinnen und Patienten behandeln das Cap Anamur Team mit Johannes Plate, Kinderärztin Kathrin Baumgartner, Techniker Klemens Schröder und Laborassistentin Gladys Mumbua im Sudan im Monat – Tendenz steigend.