Ärztestreik legt Gesundheitssystem lahm

Ausnahmesituation in Sierra Leone

Das Gesundheitssystem in Sierra Leone liegt erneut brach. Es scheint eine nie enden wollende Geschichte zu sein.

Bereits 2003 begann Cap Anamur die Arbeit in diesem, zu den ärmsten Ländern der Welt zählenden, Land in Westafrika. Das Ziel bereits hier: Strukturen schaffen und ein funktionierendes Gesundheitssystem aufbauen. Medizinisches Personal wurde ausgebildet, in Krankenhäusern wurden Bereiche übernommen, administrative Abläufe auf den Stationen optimiert und lebenswichtiges Material und Medikamente besorgt.

2014 kam der große Rückschlag. Ebola brach aus. Das zuvor schon schwache Gesundheitssystem brach in weiten Teilen komplett zusammen. Krankenhäuser mussten wegen fehlender Quarantänemöglichkeiten schließen. Zahlreiche Ärzte und Pflegekräfte fielen der Epidemie selbst zum Opfer. Mit einer speziellen Aufnahme- und Isolierstation sowie einem Schutzhaus für Ebola-Waisen und Kontaktkinder trotzen die Cap Anamur-Mitarbeiter dem tödlichen Virus, doch die meiste Arbeit lag nach Ausbruch der Epidemie noch vor ihnen, denn erneut musste das Gesundheitssystem von Grund auf neu aufgebaut werden.

Ein Krankenhaus in Makeni, das große Kinderkrankenhaus in der Hauptstadt Freetown, Hygienemaßnahmen und Aufklärung in den Slums, ein Schutzhaus für Straßenkinder – in keinem anderen Land hat Cap Anamur aktuell so viele verschiedene Projekte wie in Sierra Leone. Unsere Mitarbeiter vor Ort sind rund um die Uhr im Einsatz, um den Menschen in Sierra Leone nicht nur akut zu helfen, sondern auch langfristig etwas zu hinterlassen und eine Struktur aufzubauen, die es uns irgendwann ermöglichen soll, Sierra Leone mit gutem Gewissen sich selbst zu überlassen.

Doch bis dahin wird es noch einige Zeit dauern, denn erneut wankt das instabile Gesundheitssystem. Harte Arbeitsbedingungen, wenig Gehalt, unzureichend Medikamente und Materialien auf der Station, lange Schichten und wenig bis gar keine Unterstützung vom Ministerium gehörten für die Ärzte in Sierra Leone in den letzten Jahren zum normalen Alltag. Trotz vieler Gespräche mit den betreffenden Verantwortlichen, wurde an der mangelhaften Situation nichts geändert. Die Folge: Überarbeitung, Arbeitsunfälle und kaum Nachwuchs von den Universitäten.

Seit gestern sind daher die lokalen Ärzte in Sierra Leone in Streik getreten.

Was für unsere Mitarbeiter vor Ort, die die Situation der Ärzte nur allzu gut nachvollziehen können, zwar absolut verständlich ist, wird dennoch zur Belastungsprobe, denn sie stehen nun alleine mit all den Patienten dar. Cap Anamur Vorsitzender Dr. Werner Strahl hat sich bereits mit einem Brief ans Gesundheitsministerium gewandt und für einmütige Gespräche und eine schnelle Lösung des Streits appelliert.

Unsere Mitarbeiter vor Ort hoffen sowohl auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Ärzte in Sierra Leone als auch auf eine schnelle Wiederaufnahme der Arbeit. Denn so wie die Situation aktuell ist, ist sie für niemanden tragbar.