Bericht über das Gesundheitsprojekt

Von Dr. med. Reinhard Salinger

In Dashte Qala errichteten wir das Sina Distrikt Hospital, das sich seit seiner Eröffnung zu einem der besten Hospitälern in Afghanistan entwickelt hat. Das Hospital versorgt einen großen Einzugsbereich, die Patienten reisen z.T. sogar aus Kunduz und Kabul an.

Um das nötige afghanische Ärzte- und Pflegepersonal in die Staubwüste zu bekommen haben wir für einen Teil von Ihnen ein eigenes Wohnhaus errichtet. Cap Anamur beschäftigt gegenwärtig 52 afghanische MitarbeiterInnen, davon 32 direkt im medizinischen Bereich.

Im Sommer 2004 wurde die direkt neben dem Hospital gelegene Tbc-Klinik fertiggestellt. Aufgrund des chronisch schlechten Ernährungszustandes vieler Menschen sind sie, neben vielen anderen Mangelernährungszuständen besonders für Tuberkulose anfällig. Die Tbc-Klinik selbst verfügt über 70 Betten. Nach Aussagen der WHO in Kabul ist sie ist eine Musterklinik was den hygienischen Standard als auch die gesamte medizinische Versorgung angeht.

Das eigentliche Hospital verfügt über 55-60 Betten, indem monatlich zwischen 200 und 280 stationäre Patienten versorgt werden. Es verfügt über einen OP-Raum, mit angeschlossenem Aufwachraum (Intensivraum), einen Entbindungssaal, eine Apotheke, sowie das für die Diagnostik notwendig Equipement, EKG und ein hochmodernes Ultraschallgerät. Zum Hospital gehört auch eine Ambulanz in der täglich zwischen 180 und 250 Patienten behandelt werden. In einem weiteren Gebäude befindet sich das regionale Impfzentrum sowie eine Mutter-Kind-Beratungsstelle. Gerade in einem Land wie Afghanistan sind präventive Maßnahmen wie kostenfreie Schwangerenvor- und nachsorge, Gesundheitsausbildung sowie Impfprogramme von elementarer Bedeutung – hierzu fahren unsere beiden mobilen Impfteams täglich auch in entlegene Dörfer um die Menschen zu erreichen – Einige Fakten, die die Notwendigkeit dieser Präventivmaßnahmen veranschaulichen:

  • Afghanistan hat die zweithöchste Säuglingssterberate der Welt. Von 1000 Säuglingen sterben dort 165
  • Zweithöchste Müttersterblichkeit: bei 100.000 Geburten sterben 1.900 Frauen. In Deutschland sind es im Vergleich dazu nur acht.
  • Alle 30 Minuten stirbt eine Frau durch Komplikationen während der Schwangerschaft.
  • 25 % der Kinder sterben vor dem fünften Lebensjahr.
  • Extrem hohe Todesraten aufgrund von Infektionskrankheiten wie, Durchfallerkrankungen, Tuberkulose und Malaria.
  • Die Lebenserwartung in Afghanistan beträgt etwa 45 Jahre.

Deshalb findet täglich eine Gesundheits- und Hygieneschulung für Frauen und Männer statt. Im Besprechungsraum finden regelmäßige Treffen mit den ortsansässigen Mullahs statt, um diese in die Gesundheits- und Hygieneschulung einzubinden. Es gibt eine technisch sehr hochwertige Zahnarztstation, ein gut ausgestattetes Labor mit separatem Tbc-Labor – hier sind drei Laboranten beschäftigt, eine Röntgenabteilung sowie einen Aufenthaltsraum für das Personal. Auf einem Teil des Geländes haben wir für die Patienten und deren Angehörige sowie das Personal einen kleinen Park anlegen lassen, der demnächst auch mit Bäumen und Rasen bepflanzt und somit für ein besseres Klima gerade in den heißen und staubigen Früh- u. Sommermonaten sorgen wird.

In Hazarbagh, ca. 45 Autominuten westlich von Dashte Qala, unterhalten wir noch eine weitere Klinik in der 16 Personen, überwiegend medizinisches Personal arbeitet. Hier werden täglich bis zu 120 Patienten ambulant versorgt. Die Klinik verfügt ebenfalls über einen Entbindungsraum, einen kleinen OP, sowie ein gut ausgestattetes Basislabor und eine Apotheke.

Außerdem betreuen und unterhalten wir noch zwei Healthposts, die zwischen 1½ und 3 Stunden Autofahrt von Dasht-E-Qala entfernt in den Bergen liegen. Einmal in der Woche, wird jede dieser Gesundheitsversorgungseinheit von einen Team, bestehend aus einem Arzt, und einem Krankenpfleger sowie einer Hebamme besucht und Sprechstunden abgehalten. Die Menschen in diesen Gebieten sind für diese medizinische Versorgung außerordentlich dankbar, das sie sonst nur nach einem mehrstündigen Fußmarsch das Hospital erreichen könnten. Hier werden an diesen Tagen bis zu 150 Patienten ambulant untersucht und mit Medikamenten versorgt oder ins Hospital eingewiesen. Am Ende jeden Sprechstundentages wird das Cap Anamur Team vom freundlichen Healthworker, der während der restlichen Tage die Station betreut, zu einem Tee und einem Essen eingeladen, was für die Freundlichkeit und Dankbarkeit dieser Menschen steht.

Mit diesem Gesundheitsprojekt bestehend aus dem Distrikt Hospital, Tbc-Klinik, und den anderen drei Gesundheitseinrichtungen betreut das Team von Cap Anamur gemeinsam mit dem afghanischen Personal jährlich bis zu 100.000 Patienten im stationären und ambulanten Bereich. Wir leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsversorgung der Afghanischen Bevölkerung. Dies ist nur durch die großzügige Spendenunterstützung der deutschen Bevölkerung möglich.

Hierfür möchten wir Ihnen von ganzen Herzen danken.