Hebammenschulung im Westen

Von Faisal Haidari

Nach der erfolgreichen Übergabe des von Cap Anamur aufgebauten District Hospitals in Quarabagh/Gulron, in der Provinz Herat an das Gesundheitsministerium, haben wir beschlossen ein für  Afghanistan essentielles Hebammenschulungsprogramm in Herat zu unterstützen.

In einem zweijährigem Schulungsprogramm, welches sich eng nach dem staatlich vorgegebenen Curriculum für die Ausbildung zukünftiger Hebammen richtet und sich gleichermaßen in Theorie und Praxis gliedert, werden 30 Frauen aus den umliegenden 16 Distrikten der Provinz Herat im Ausbildungszentrum des Regionalhospitals und in der Geburtsklinik auf ihren verantwortungsvollen Einsatz in ihren ländlichen Wohngebieten vorbereitet. 64 Frauen haben an einer Auswahlprüfung teilgenommen, von denen letztendlich die besten 30 die nächsten zwei Jahre an der Modulausbildung teilnehmen dürfen. Zugangsvoraussetzung ist ein mindestens 10 jähriger Schulbesuch, eine nicht zu unterschätzende Hürde, in einem Land, in dem die Analphabetenrate über 80% beträgt.

Besonders wichtig ist es, Frauen aus entlegenen Regionen für diese Schulungsmaßnahme zu gewinnen, die auch in Zukunft in diesen Gebieten leben werden und deren Väter und Ehemänner mit der Ausübung eines solchen Berufes einverstanden sind. Cap Anamur zahlt z.B. die Gehälter der Ausbilderinnen, nach staatlichen Vorgaben, stellt Unterrichtsmittel, wie z. B. einen Computer, Tafeln, Möbel usw. zur Verfügung und beteiligt sich an den Fahrtkosten der Frauen und ihrer Verpflegung während des Modulunterrichtes, übernimmt Strom und Heizkosten für die Schulungsräume und vieles mehr.

Afghanistan ist nach wie vor eines der Länder mit der höchsten Mutter-Kind-Sterblichkeit.

Einmal fundiert ausgebildet können die Hebammen über Maßnahmen zur Familienplanung aufklären, verordnen und gegebenenfalls einsetzen( IUD), um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern und versorgen Schwangere. So können sie bei Problemfällen, wie Beckenendlagen, Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes direkt richtig behandeln. Sie helfen beim Geburtsvorgang und werden bei Geburtskomplikationen unterstützende Maßnahmen ergreifen, wie Saugglocken einsetzen oder einen Dammschnitt mit anschließender Naht durchführen. Außerdem lernen die Auszubildenden unter anderem auch eine Plazenta manuell zu lösen, oder eine Blutungsanämie in den Griff zu bekommen.

Für die Frauen im ländlichen Afghanistan entscheidet das Vorhandensein einer gut geschulten Hebamme sehr oft über Leben oder Tod.

Aufgrund der harten Lebensbedingungen sind viele werdende Mütter schon zu Beginn der Schwangerschaft geschwächt und blutarm, bei der geringsten Komplikation sind ihre Reserven ausgeschöpft und sie laufen Gefahr die Geburt nicht zu überleben. Eine tote Mutter ist für alle eine Tragödie, die die Betroffenen bis ins Mark erschüttert.

Mit jeder ausgebildeten Hebamme, wird nicht nur eine ausgebildete medizinische Fachkraft ins Umland geschickt, sondern auch Hoffnung. Und Hoffnung brauchen die Menschen in Afghanistan. Angesichts der sich immer mehr verschlechternden Sicherheitslage, mehr den je.