Internationaler Frauentag

Heute ist Internationaler Weltfrauentag. Doch in diesem Jahr sind wir mit so vielen bundes- und weltweiten Ereignissen und Krisen beschäftigt, dass er im Bewusstsein der Bevölkerung als unwichtig zu erscheinen droht. Dabei sind weltweit rund 30 Millionen Frauen vor Armut, Krieg und Diskriminierung auf der Flucht! Viele dieser Frauen haben schlimme Erfahrungen in ihrem Herkunftsland gemacht und auf dem Fluchtweg drohen ihnen weitere Traumatisierungen. Hinter beinahe jedem männlichen Flüchtling wartet in seiner Heimat eine von Sorgen zerfressene Frau: eine Mutter, eine Ehefrau, eine Tochter, eine Schwester…

Seit Jahrhunderten leiden Frauen unter Krisen, die oft von Männern gemacht wurden. Insbesondere in Diktaturen und von Armut und Hunger bedrohten Entwicklungsländern sind Frauen aus gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Prozessen größtenteils ausgeschlossen. Noch immer starten unzählige Mädchen mit gesellschaftlicher Abwertung ins Leben. In vielen orientalischen Ländern nennen die Frauen nur die Anzahl ihrer männlichen Kinder, wenn sie gefragt werden, wie viele Kinder sie  haben. Mädchen sind oft nicht mal der Erwähnung wert, bedeuten sie doch gesellschaftlich eher eine Abwertung für die Mutter. Und so müssen sie schon sehr früh im Haushalt helfen, ihre Geschwister beaufsichtigen, weite, gefährliche Wege gehen und schwere Lasten tragen. Oft werden sie beim Essen benachteiligt und ihnen wird der Zugang zu Bildung verwehrt. Immer wieder werden Mädchen Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt. Sie werden von ihren Partnern mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten angesteckt, zur Prostitution gezwungen, als Minderjährige in Zwangsehen oder zu Sklavenarbeit gedrängt.

Gewalt gegen Mädchen wird stillschweigend toleriert. Und so übernehmen viele Jungen die Rollenmodelle der Eltern: Ist die Mutter Unterdrückung und körperlicher Gewalt ausgesetzt, droht seiner zukünftigen Frau oftmals das gleiche, bittere Leben. Das eigentlich verwunderliche ist, dass diese Verachtung gegenüber Mädchen – oder auch aus der Perspektive der Mädchen die Unterwürfigkeit – oft von der mütterlichen Erziehung geprägt ist. Denn sie, die Mütter, haben es ja auch so erlebt und verinnerlicht und diese demütigenden Erlebnisse, selbst die Abwertung, wird weiter gegeben an die eigenen Kinder. Mit dem Resultat, dass Jungen ein gestörtes Frauenbild haben. Diese Einstellung hält sich hartnäckig. Lange noch, nachdem sich die äußeren Lebensumstände gebessert haben, bleiben diese Menschen in ihrer frauenverachtenden Einstellung erstarrt.

Welche Bedeutung haben diese Hintergründe für uns als aktive Helfer und Mitarbeiter von Cap-Anamur?

Sie sind ein wichtiger Ansatz, um Projekte zu planen, zu entwickeln und zu unterstützen, damit das, wovon so viele Politiker gerne reden, umgesetzt werden kann: Die Fluchtursachen im Herkunftsland reduzieren. Um das zu erreichen, müssen wir die Lebensbedingungen für Frauen verbessern, sprich: genügend nährstoffreiche Nahrung, sauberes Trinkwasser, medizinische Versorgung (einschließlich Impfungen, Familienplanung, Schwangerenvorsorge etc.), Zugang zu Bildung (Schulen in gefahrenlos erreichbarer Nähe, angemessen bezahlte Lehrer, kostenloses Schulmaterial, Schuluniformen, allgemeine, gesetzliche Schulpflicht) sowie finanzielle Unabhängigkeit für Frauen durch Arbeits- und Berufsmöglichkeiten.

Die Entwicklung in die richtige Richtung ist ein langwieriger Prozess und was wir heute säen wird vielleicht erst nach ein bis zwei Generationen Früchte tragen, aber ohne diesen visionären Blick in die Zukunft gäbe es Cap Anamur gar nicht!

Ein gutes Beispiel dafür ist unser Ausbildungsprogramm in Afghanistan: Hier werden junge Frauen aus ländlichen, medizinisch unterversorgten Dörfern in einer zweijährigen staatlich anerkannten Ausbildung zu Hebammen und Krankenschwestern ausgebildet. Nach ihrem Abschluss kehren sie mit ihrem Fachwissen zurück in ihre Heimatdörfer und leisten dort einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Versorgung.

>> Unterstützen Sie unsere Arbeit in Afghanistan. Jede Spende zählt.

>> Döne Akdas hat im Zeitraum zwischen 2002 und 2008 rund dreieinhalb Jahre als Krankenschwester für Cap Anamur in Afghanistan gearbeitet.