Bangen um die jungen Patienten

Schon nicht mehr bei Bewusstsein wurde eines Morgens der wenige Wochen alte Fouday von seiner Mutter ins Ola During Childrens Hospital (ODCH)in Sierra Leone gebracht. Sei einigen Tagen sei er schon schwer erkrankt, erzählte seine Mutter den beiden Cap Anamur-Kinderärztinnen Claudia und Silke. Häufig führt vor allem das zu späte Einliefern der Kinder ins Krankenhaus zu einem tödlichen Verlauf der Krankheit. Schnell führten unsere beiden Mitarbeiterinnen die notwendige Diagnostik durch und konnten die vermutete lebensbedrohliche Hirnhautentzündung bestätigen.

Das vom Bürgerkrieg und Ebola traumatisierte, westafrikanische Land zählt zu den Ländern mit der höchsten Kinder- und Müttersterblichkeit weltweit. Seit 2009 unterstützt Cap Anamur das ODCH in der Hauptstadt Freetown. Täglich werden hier circa 220 stationäre Patienten zusätzlich zu der meist völlig überfüllten Notfallambulanz versorgt. Über 90 Prozent der Kinder sind unter fünf Jahre alt. Es fehlt dringend an ärztlichem Fachpersonal. Cap Anamur entsendet erfahrene Kinderärzte/innen nach Sierra Leone und versorgt die Patienten mit dringend benötigten lebensrettenden Medikamenten.

Die von Cap Anamur entsandten Kinderärzte arbeiten außerdem mit den jungen, einheimischen Ärzten zusammen, um eine möglichst breite Versorgung der Kinder zu gewährleisten. Dafür begleiten sie die jungen Ärzte bei der Untersuchung der Kinder, besprechen mit ihnen die Diagnostik, führen mit ihnen Punktionen und Ultraschalluntersuchungen durch und überwachen die Therapien. Zusätzlich führen wir Fortbildungen für lokale Ärzte und Studenten durch.

Fouday wurde auf der Intensivstation therapiert und ständig überwacht. Tagelang kämpften alle Mitarbeiter des ODCH um das Leben des kleinen Jungen. Claudia und Silke gelang es, bei dem Kleinkind Meningokokken nachzuweisen. Mit dieser Erkenntnis konnte der Junge gezielt behandelt werden. Nachdem Fouday einige Tage bewusstlos war und seine Atem- und Kreislaufsituationen mehrmals so kritisch waren, dass er wiederbelebt werden musste, erwachte der kleine Patient plötzlich. Nach diesen schwierigen Tagen erholt er sich schnell und konnte das ODCH schließlich nach wenigen Wochen ohne ersichtliche Folgeschäden verlassen.

„Häufig begegnen wir den Kindern die einst schwerst krank auf unseren Stationen lagen noch bei der Entlassung und es ist jedes Mal ein unglaublich glücklicher Moment der uns tief im Herzen berührt“, so Cap Anamur-Kinderärztin Claudia.