Besuch unserer Projektkrankenhäuser

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einigen Monaten haben wir unser Versorgungnetz in Bangladesch erweitert. Neben staatlichen Krankenhäusern erhalten nun auch vermehrt Kliniken unsere Unterstützung, die von nichtstaatlichen Partnern geführt werden. Diese Einrichtungen sind aufgrund ihres schmalen Verwaltungsapparats deutlich flexibler als staatliche Häuser und legen den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Versorgung der ärmsten Bevölkerungsschichten. Wir unterstützen sie mit der Lieferung von medizinischem Equipment, Verbrauchsmaterial und allen notwendigen Medikamenten. Bei meinem Projektbesuch im November konnte ich mich von der hohen Wirksamkeit dieser Partnerschaft überzeugen.

So unterstützen wir in der Hauptstadt Dhaka ein nichtstaatliches Hospital, das sich auf die Behandlung der weithin tabuisierten Krankheit Filariose spezialisiert hat. Ausgelöst von einer Wurminfektion im Lymphgefäßsystem kommt es im Krankheitsverlauf zu starken Schwellungen einzelner Körperteile; meist sind die Beine der Patienten betroffen. So auch im Fall eines 32jährigen Mannes, den mir der engagierte und unermüdliche Klinikleiter während meines Besuchs vorstellte. Nachdem er sich im Alter von sechs Jahren infizierte und erste Schwellungen ausbildete, versteckten ihn seine Eltern aus Scham vor der Außenwelt. Erst nach über 25 Jahren wurde er in unser Krankenhaus gebracht und konnte versorgt werden. Durch die gezielte Behandlung haben sich die Schwellungen mittlerweile deutlich zurückgebildet, so dass er heute schon wieder allein stehen kann. Was bleibt, ist das psychische Leid, das ihm durch die jahrelange Isolation aufgebürdet wurde. Dieser Fall zeigt mir in drastischer Weise, dass wir betroffene Patienten nicht nur medizinisch versorgen, sondern uns auch mittels Aufklärung gegen die Stigmatisierung infizierter Menschen engagieren müssen.

Zwei weitere von nichtstaatlichen Partnern betriebene Kliniken habe ich besichtigt. Die erste befindet sich unweit einer Textilfabrik im Stadtzentrum Dhakas. Das medizinische Angebot wird vor allem von Näherinnen in Anspruch genommen, die sich angesichts ihres minimalen Lohns und ihrer langen Arbeitszeiten kaum einen Krankenhausbesuch leisten könnten. Obwohl wir diese Einrichtung erst seit drei Monaten unterstützen, zeigt sie mit einer Auslastung von knapp 200 Patienten täglich bereits den hohen Bedarf an medizinischer Versorgung an. Die zweite Klinik befindet sich nordöstlich der Hauptstadt: In Sunamganj unterstützen wir das Hospital bereits seit einem Jahr.  Von anfangs 250 Patienten monatlich konnten wir unsere Reichweite mittlerweile auf über 2.500 Patienten verzehnfachen. Aufgrund des großen Anklangs der Klinik in der Bevölkerung haben wir bei meinem Besuch bereits die Erweiterung der Räumlichkeiten geplant.

Doch wollen wir auch unsere Kooperation mit staatlichen Kliniken nicht aufgeben. Zentrum unserer Arbeit bilden dabei drei Einrichtungen in der Region Joypurhat im Nordwesten des Landes. Die drei Krankenhäuser arbeiten mit über 8.000 Patienten monatlich nicht nur sehr effektiv, sondern auch qualitativ auf hohem Niveau. So ist eine der Kliniken kürzlich als eines der fünf besten Krankenhäuser Bangladeschs ausgezeichnet worden.

Beeindruckt von der hohen Effizienz der Einrichtungen und des überragenden Engagements des Personals, die mit geringen Mitteln viel erreichen, kehre ich beflügelt von meinem Projektbesuch zurück. Bitte unterstützen Sie weiterhin diese wirkungsvolle Arbeit, bei der auch kleine Beträge Großes leisten.

Ihr Bernd Göken