Hilfe für die Ärmsten des Landes

Bangladesch ist mit 160 Millionen Einwohnern auf Platz acht der bevölkerungsreichsten Länder der Welt – 1.071 Menschen leben durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 229 Personen und in Frankreich 103 Personen je Quadratkilometer. Bangladesch, das am Golf der Bengalen liegt, war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die Bevölkerungsmehrheit von rund 90 Prozent ist muslimisch. Aufgrund zahlreicher Flüsse und dem weltweit größten Delta ist Bangladesch in der Monsunzeit regelmäßig Überschwemmungen ausgesetzt.

Aufgrund dieser Überflutungen, die große Teile des Landes durch die Versalzung des Grundwassers für den Reis- und Gemüseanbau unbrauchbar gemacht haben, wandern viele Bengalen in die Hauptstadt Dhaka ab. Dort suchen sie nach Arbeit – ganz gleich welche. Näher/innen und Gerber/innen verdienen im Schnitt 17 Cent pro Stunde, arbeiten sechs bis sieben Tage die Woche und oft zwischen 12 bis 17 Stunden am Tag. Bangladesch hat nach China die größte Textilindustrie und die Europäische Union ist der größte Handelspartner.

Die sozio-ökonomischen Probleme der Ärmsten, der sogenannten ultra-poors, werden noch gravierender, weil sie nach und nach aus dem Fokus der Politik verschwinden. Und auch das Interesse der Medien liegt derzeit eher auf dem Terroranschlag in einem westlichen Café im Diplomatenviertel von Dhaka, bei dem neun Italienern, sieben Japaner, ein Amerikaner, eine Inderin und vier Bangladeschis das Leben verloren haben sowie auf der Verhaftungswelle im Juni, bei der mehr als 11.000 Personen festgenommen wurden und den Macheten-Attacken auf Internet-Blogger, Säkulare, Atheisten, Intelektuelle und religiöse Minderheiten.

Medizinische Versorgung der ultra-poors

Unser Vorgehen in Bangladesch orientiert sich an eben dieser zentralen Problematik des Gesundheitssystems aus Sicht der ärmsten Menschen des Landes. Ihnen wollen wir die Tür öffnen zu einer dauerhaft kostenlosen Versorgung.

Derzeit beliefern wir sieben Krankenhäuser im Norden des Landes: Wir stellen in den ruralen Regionen die notwendigen Instrumente, Ausrüstung und Medikamente zu Verfügung, sodass sogar kleine Operationen durchgeführt werden können. Die mittelosen Patienten, darunter vor allem Frauen – die sich in Bangladesch nur von weiblichem medizinischem Personal untersuchen lassen – und Kinder, haben nun vermehrt Zugang zu medizinischer Versorgung. Cap Anamur stellt so die Versorgung von rund 10.000 Patienten im Monat sicher.

Vielen Menschen war es zuvor aufgrund der Kosten nicht möglich, in ein Krankenhaus zu gehen, da die Behandlung nicht selten die gesamten Ersparnisse einer Familie aufbrauchen konnte. Gerade in der Monsunzeit, in der viele Menschen durch die Trinkwasserverschmutzung an Typhus oder Durchfall leiden, ist es wichtig, bestimmte Elektrolytlösung zu bekommen, da ansonsten sogar eine Durchfall-Erkrankung zum Tode führen kann. Und so arbeiten wir weiter daran, die Krankenhäuser und ihre lokalen Mediziner und Medizinerinnen zu unterstützen, damit sie die Möglichkeit haben, noch mehr Patienten zu versorgen.

Hintergrund: Bangladesch

Seit der Unabhängigkeit von Pakistan vor 45 Jahren ist Bangladesch das erste Mal in einer vergleichsweise hohen Alarmbereitschaft. Für das friedliche Volk ist die repressive Haltung der Regierung alarmierend. Die lokalen Behörden und die Polizei raten ausländischen Ärzten, das Land zu verlassen. Auch Cap Anamur wollte noch vor ein paar Monaten Mediziner zur Ausbildung und Beratung nach Bangladesch schicken, jedoch wird sich dieser Prozess nun verzögern, bis wir alle Formalien zur Einreise bestätigt haben. Um eine Aufenthaltsgenehmigung von maximal drei Monaten zu bekommen, muss man sich die Erlaubnis von vier verschiedenen Ministerien einholen und eine monatliche Berichterstattung über die Arbeit einreichen. Der hohe bürokratische Aufwand wird an unserem Engagement jedoch nichts ändern.