Corona im Blick

Krawall und Unruhen im Libanon

Die Proteste gegen die korrupte Politik des Staates sind im Libanon eskaliert. Erst letzte Woche kam es erneut zu schweren Krawallen. So wurden im ganzen Land vor allem Bankfilialen in Brand gesteckt, die für viele das Symbol für jahrelange Misswirtschaft sind. Auch wir berichteten im Januar bereits von der Wirtschaftskrise, die das Land nach und nach ins Chaos stürzte (Artikel vom 15. Januar 2020). Hintergrund der Unruhen sind die Frustration über die korrupten politischen Führer, die den Libanon heruntergewirtschaftet haben, und eine Wirtschaftskrise von unbekanntem Ausmaß. Zu den bereits vorherrschenden wirtschaftlichen Problemen kommt nun noch die Corona-Krise.

Die Pandemie trifft wie so häufig die Ärmsten der Armen besonders schwer. Tagelöhner verdienen nichts mehr. Die Preise für Lebensmittel sind innerhalb kürzester Zeit enorm angestiegen, so dass sie für die Menschen, die aktuell keine Arbeit mehr finden, kaum noch erschwinglich sind.

Die libanesische Lira befindet sich im freien Fall und hat innerhalb von einem Monat die Hälfte ihres Wertes verloren. Weil der Libanon fast alle Güter importieren muss, nimmt der alltägliche Überlebensdruck massiv zu. Insbesondere in den vergangenen Tagen und Wochen hat sich der Wertverfall deutlich beschleunigt. Die Arbeitslosigkeit steigt und damit auch die Angst und die Unzufriedenheit der Menschen vor Ort, die sich nicht selten gegen Flüchtlinge entlädt.

Die von der Regierung verhängten Ausgangsbeschränkungen betreffen auch unser Team. Die Sicherheitslage ist angespannt. Die Beschaffung von Medikamenten und Schutzutensilien ist enorm schwierig geworden. Um größere Menschenansammlungen und Panik zu vermeiden, haben wir nun eine provisorische Ambulanz eingerichtet. Statt mit unserer mobilen Klinik auf größere Plätze zu fahren, wo sich jedes Mal hunderte Menschen um unser Team versammelt haben, machen wir nun Termine mit den Patienten, die dann zu uns kommen, um sich kostenlos behandelt zu lassen. Jeder Patient bekommt ein Zeitfenster von 30 Minuten um direkte Kontakte zwischen den Patienten zu vermeiden. Hygienisches Arbeiten ist hier eine Selbstverständlichkeit. Zu den kostenfreien Medikamenten gibt es für jeden Patienten momentan noch ein kleines Care Paket mit Reis, Öl und Zucker dazu.
Vor allem Flüchtlinge, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Hilfe und auch kein Geld für eine Behandlung hätten, profitieren sehr von unserer Arbeit im Libanon. Doch auch hier geht, wie in jedem unserer Projekte, die Sicherheit unserer Mitarbeiter vor. Daher beobachten wir die Entwicklungen im Libanon kritisch. Unsere Arbeit ist dort aktuell nötiger denn je, daher hoffen wir sie noch lange und vor allem in Sicherheit durchführen zu können.