Dem geschundenen Land eine Zukunft geben

Ein Kinderkrankenhaus in Sierra Leone

Sierra Leone ist ein kleines Land im Westen Afrikas. Mit seinen langen Küstenstreifen, weißen Sandstränden und der faszinierenden Natur der tropischen Regenwälder ist es ein landschaftliches Paradies. Dennoch ist Sierra Leone kein Ziel von zahllosen Touristen und Instagram-Reisegurus. Bis zum Jahr 2002 herrschte dort über ein Jahrzehnt ein blutiger Bürgerkrieg. Besonders die Nachricht über die vielen Kindersoldaten, die in diesem Bürgerkrieg kämpfen mussten, erschütterte die Weltöffentlichkeit. Unzählige Menschen verloren ihr Leben, Familien brachen auseinander und Armut ergriff breite Bevölkerungsschichten. 2003 begann Cap Anamur die Arbeit in dem geschundenen Land. Das medizinische System war zusammengebrochen und so galt es schnell Strukturen zu schaffen, Fachpersonal auszubilden und Krankenhäuser zu unterstützen.

Nach jahrelanger Aufbauarbeit kam es zwischen 2014 und 2016 zum großen Rückschlag: Das Ebola-Virus wütete in Westafrika und riss allein in Sierra Leone fast 4.000 Menschen in den Tod. Wieder war das Gesundheitssystem im ganzen Land außer Kraft gesetzt.

Auch wenn sich das Gesundheitssystem nach den vielen Rückschlägen langsam wieder stabilisiert, gehört Sierra Leone noch immer zu den Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit weltweit. Daher unterstützt Cap Anamur das Ola During Childrens Hospital (ODCH) in Freetown. Es ist das zentrale Kinderkrankenhaus in der Region. Insgesamt 180 Betten stehen dort für die jungen Patienten bereit, die meist im schwer kranken Zustand eingeliefert werden. Für besonders schwere Fälle stehen zwölf Betten auf der Intensivstation bereit. Mit Dr. Nellie Bell, der einzigen Kinderärztin Sierra Leones und Chefärztin des ODCH, haben wir vor Ort einen zuverlässigen Partner.

Die Arbeiten vor Ort im Krankenhaus sind vielfältig und so etwas wie einen Alltag gibt es für die entsandten deutschen Fachkräfte nicht. Die Kinderärzte arbeiten hart, um so viele junge Leben wie möglich zu retten und geben dazu für die Ärzte und Studenten des Landes noch zusätzlich so häufig wie möglich Fortbildungen und Unterrichtseinheiten am Patientenbett. Die Krankenschwestern und –pfleger arbeiten daran, den allgemeinen Stationsablauf zu verbessern und einen europäischen Standard im Krankenhaus zu implementieren. Zusätzlich dazu übernehmen wir den Großteil der Medikamentenlieferung für die Apotheke im Krankenhaus. Zwar bekommt jedes Krankenhaus in Sierra Leone Medikamente vom Staat, doch sind nicht ausreichend, um die vielen kranken Kinder angemessen zu versorgen.

Mit der Renovierung und Sanierung einiger Gebäude konnten wir dieses Jahr den Umzug der Notaufnahme ermöglichen, um den Fachkräften vor Ort ein helleres, größeres und besser eingerichtetes Umfeld zu bieten und so die Arbeit vor Ort weiter und nachhaltig zu verbessern.

„Als damals Ebola ausbrach, sind alle Hilfsorganisationen geflohen, doch Cap Anamur blieb“, sagte Dr. Bell bei der Jubiläumsveranstaltung des Vereins im August in Köln, „Seit Jahren hilft Cap Anamur dem Land. Wir sind unendlich dankbar. So viele Kinder konnten gerettet werden“.