Die Klinik zum Patienten bringen

Ärzte auf vier Rädern

Immer wieder ruckelt es im Wagen. Die Straßen Somalilands sind nicht sonderlich gut ausgebaut und die kleine Mobile Klinik muss immer wieder großen Schlaglöchern ausweichen. Der Weg zum nächsten Dorf führt mitten durch das Ödland. Die Landschaft ist zwar karg, doch Bernd Göken, Geschäftsführer von Cap Anamur, ist dennoch begeistert. „In der diesjährigen Regenzeit hat es relativ viel geregnet und die Landschaft hat sich gut erholt. Jetzt sieht man immer wieder grüne Flächen und trächtige Tiere. Letztes Jahr lagen hier noch die Kadaver im Staub“, so Bernd Göken.

Nach einigen Stunden Fahrt erreicht die Klinik auf vier Rädern das nächste Dorf. Etwa 2.000 Menschen leben hier und erwarten unser Team, bestehend aus einem Arzt und zwei Krankenschwestern, schon sehnsüchtig. Kaum haben die drei Mediziner ihr Zelt auf dem kleinen Marktplatz errichtet, bildet sich davor eine große Menschenmasse. Das Cap Anamur-Team hat Mühe, Ordnung in die gespannte Menge zu bekommen. Nur langsam gewinnen sie einen Überblick über die verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen. Die Mobile Klinik ist mit den neusten Medikamenten ausgerüstet. Die ganz schweren Fälle bringt unser Team in das nächstgelegene Krankenhaus, um dort behandelt zu werden. Nach etwa vier Stunden sind die Patienten vor dem kleinen Cap Anamur-Zelt versorgt und das Team packt eilig alle Sachen wieder zusammen. An Feierabend ist in der Hitze jedoch noch nicht zu denken, denn ein weiteres Dorf steht auf dem heutigen Fahrplan.

„Der große Andrang zeigt, dass unsere Hilfe hier in den abgelegenen Dörfern gebraucht und gut angenommen wird. Unser Team leistet einen wertvollen Beitrag zur ländlichen medizinischen Versorgung“, sagt Thorsten Kirsch, Cap Anamur-Krankenpfleger. Die Mobile Klinik ist an sechs Tagen in der Woche im Einsatz und fährt, je nach Lage, ein oder zwei Dorfer am Tag an. Aktuell stehen 13 Dörfer auf der Liste des kleinen Einsatzteams. Diese sollen spätestens alle zwei Wochen angefahren werden. So können regelmäßig fast 30.000 Einwohner medizinisch versorgt werden. Der Geschäftsführer ist zufrieden. Regelmäßige Projektbesuche gehören zu den umfassenden Kontrollmaßnahmen von Cap Anamur.

Ausbau des Krankenhauses

Auch in Caynabo hat das Cap Anamur-Team alle Hände voll zu tun. Hier betreuen wir das lokale Krankenhaus. Die Dürre im letzten Jahr und die häufig verunreinigten Wasserstellen sorgten dafür, dass die Zahl der Infektionskrankheiten plötzlich deutlich anstieg. Auch wenn die Regensaison dieses Jahr besonders gut war und die von Cap Anamur gebauten Birkas – große Wasserauffangbecken – noch immer reichlich frisches Wasser bereithalten, ging die Zahl der Infektionskrankheiten kaum zurück. Regelmäßig bekommt das Cap Anamur-Team in Caynabo Patienten eingeliefert, die an Masern, Cholera oder Durchfallerkrankungen leiden. Daher erweitern wir nun die Isolationsstation im Krankenhaus. „15 Betten sollen in der neuen Station stehen. In vier bis sechs Wochen wollen wir den Bau bereits fertiggestellt haben“, erklärt Andreas Tsukalas, Architekt im Cap Anamur-Team.