Die schwierigen Anfänge im Kinderkrankenhaus

Von H. Basma, I. Geist und D. Ruegg

Hoch motiviert für unseren Cap-Anamur-Einsatz machten wir uns Anfang Juli auf die Reise in Sierra Leones einzige Kinderklinik, das “Ola During Children Hospital” in Freetown. Dort angekommen, wurden wir fast überwältigt von unseren ersten Eindrücken. Das 200-Betten-Haus präsentierte sich in düster braun-beigem Anstrich, mit schlechten hygienischen Verhältnissen sowie mangelhafter Wasser- und Stromversorgung. Noch erschütternder jedoch empfanden wir den sehr ernsten, teilweise lebensbedrohlichen Zustand einiger Patienten.

Kinder mit schwerer Malaria, Typhus oder Meningitis lagen krampfend und hoch fiebernd auf verschmutzen Matratzen. Die Angehörigen der kleinen Patienten mussten für die Untersuchung bezahlen und sich die Medikamente selbst in einer der umliegenden Pharmazien besorgen. Oft dauerte das zu lange und die Lage der Kinder verschlimmerte sich noch. Zudem gab es zahlreiche Kinder mit unversorgten Verbrennungswunden.

Unser Projekt sieht vor, alle stationären Patienten kostenlos mit Arzneimitteln zu versorgen. Deshalb richteten wir schnell ein Hauptlager sowie kleine Stores auf allen Stationen ein. Die Verteilung organisierten wir gemeinsam mit den jeweils zuständigen Krankenschwestern. Anfangs behandelten wir die Kinder mit Verbrennungen auf schmalen Holzbänken in Umkleide- und Abstellräumen zwischen allerhand Inventar. Aber zumindest konnten wir ihnen mit Medikamenten die schmerzhafte Prozedur erleichtern.

Während wir Kinderkrankenschwestern uns um Hilfe für die Patienten bemühten, kümmerte sich Hassan um die technischen Probleme und die Renovierung des Hospitals: Als erstes wurde ein Generator für die neue Intensivstation angeschafft, die wir zusammen mit dem Hospital-Management eingerichtet hatten. Da Sauerstoff in Freetown nicht erhältlich ist, wurden Sauerstoffkonzentratoren verwendet, über die man mit Sauerstoff angereicherte Raumluft geben kann. Sie funktionieren allerdings nicht, wenn die Elektrizität ausfällt, was leider an der Tagesordnung stand. Doch hier schaffte der Generator Abhilfe.

Der triste Eindruck des Hospitals veränderte sich schnell durch einen hellen Anstrich. Wo nötig, wurden neue Betten und Matratzen zur Verfügung gestellt, Untersuchungstische und Schränke angefertigt, Gebrauchsmaterialien und medizinisches Gerät verteilt. Schnell war auch ein Raum für die Behandlung der Verbrennungskinder gefunden und eingerichtet.

Die Zusammenarbeit mit den Pflegekräften und Ärzten kam zunächst nur schleppend in Gang. Es gab wenig qualifiziertes Personal, viele waren unmotiviert. Wir wissen, dass die Bezahlung der Schwestern sehr schlecht war und sie manchmal Monate lang kein Gehalt von der Regierung bekamen. Bei allem Verständnis für ihre Situation, konnten wir jedoch nicht akzeptieren, dass die Kinder darunter leiden. Umso dankbarer waren wir für den unermüdlichen Einsatz all derer, die motiviert mit uns die Zustände verbessern wollten.

Es sprach sich schnell herum, dass es im Kinderhospital nun kostenlose Behandlung und Arzneimittel gab. Von Monat zu Monat stieg die Anzahl der Patienten. Und die Sterblichkeitsrate sank. Es kommen immer mehr chirurgische Fälle dazu. Obwohl mittlerweile zwei sehr engagierte und fähige Pfleger in die speziellen Behandlungen von Verbrennungen eingearbeitet wurden, ist der tägliche Andrang kaum noch zu bewältigen. Auch die Intensivstation ist mittlerweile zu klein: Drei und mehr Kinder müssen sich ein Bett teilen, so dass beschlossen wurde, eine komplette Station für die intensivmedizinische Versorgung einzurichten.

Im Dezember war es im Hospital trotz steigender Patientenzahlen viel ruhiger als zu Beginn des Projektes. Die Abläufe hatten sich innerhalb kurzer Zeit gut eingespielt. Aber Vieles braucht noch Veränderung: In erster Linie betrifft das die Qualifizierung der Ärzte und Pflegekräfte sowie die Möglichkeiten der Diagnostik. Es gibt noch viel zu tun. Und mit der Unterstützung unserer Spender werden wir auch das angehen!