Ebola-Alarm in Freetown

Von Dr. Werner Strahl

Seit vier Monaten breitet sich die gefährliche Viruserkrankung von den westafrikanischen Nachbarländern Guinea und Liberia nun auch in Sierra Leone bedrohlich aus. Lange haben sich die Gesundheitsbehörden und die Regierung des Landes nur halbherzig der Bekämpfung gewidmet, bis sich diese Ebola-Epidemie jetzt als die größte je beobachtete herausstellte und auch zahlreiche Helfer einschließlich des obersten Seuchenexperten des Landes angesteckt hatten.

Unsere Mitarbeiter vor Ort sind erleichtert, dass jetzt der Notstand für das Land ausgerufen wurde und die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Maßnahmen ergriffen werden. Das heißt: Einstellung des Grenzverkehrs, intensive Suche nach Infizierten und Kontaktpersonen sowie deren Isolierung durch die Polizei und Gesundheitsarbeiter, Reisebeschränkung in und aus den Hauptgefährdungsgebieten, Einrichtung von Spezial-Laboratorien zur Diagnostik, intensive Schulung des ärztlichen und Pflegepersonals bezüglich des eigenen Infektionsschutzes und dem der anderen Patienten und Familienangehörigen, Bereitstellung von Isolierräumen und -kleidung sowie Desinfektionsmitteln, Information der gesamten Bevölkerung und dringliche Mahnung zur Mitarbeit.

Aufgrund der sehr hohen Todesrate der Infizierten besteht bei vielen Einheimischen leider großer Vorbehalt, sich dem durch die Schutzkleidung bedrohlich wirkenden medizinischen Personal anzuvertrauen oder ihnen gar ihre kranken Kinder zu übergeben – obwohl diese in der Regel an anderen und behandelbaren Krankheiten leiden.

In dem von uns betreuten Kinderkrankenhaus, dem Ola During Childrens Hospital in Freetown, bemühen sich unsere beiden Kinderärztinnen Dr. Noa Freudenthal und Dr. Sara Hommel sowie unser Techniker und Organisator Hassan Basma die geforderten Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen, zu trainieren und zu kontrollieren. Alle Patienten, die das Krankenhausgelände betreten, müssen ein Aufnahmescreening mit Fragen nach Herkunft, Kontakten und Fiebermessung durchlaufen, damit ihr Risiko abgeschätzt werden kann. Bei Verdacht erfolgt die strenge Isolation und Blutentnahme zur Diagnosesicherung im Referenzlabor. Zum großen Glück hat es bisher in unserer Kinderklinik noch keinen bestätigten Ebola-Fall gegeben – wir verzichten auch gern darauf.

Im Pikin Paddy, unserem nahe gelegenen Haus für Straßenkinder, wacht der Sozialarbeiter Ole Hengelbrock über die ihm anvertrauten Kinder, die bis auf Weiteres nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Unsere beiden Ärztinnen haben die Sozialarbeiter des Pikin Paddy bezüglich Ebola aufgeklärt, getreu dem Motto “teach the teachers”. Nun geben unsere Sozialarbeiter das Wissen weiter an Mitarbeiter, Kinder, Menschen aus der Umgebung und an andere Organisationen. Wir laden sie zu uns ein oder gehen in andere Gebiete. Ziel ist die Vermittlung von Sachinformationen um den weit verbreiteten verfälschten und emotionsbeladenen Geschichten über Ebola entgegenzuwirken und so die Panik und Angst zu reduzieren. Das Sozialarbeiter-Team um Ole Hengelbrock versucht bei jeder Begegnung das Misstrauen mit Verantwortung und Kompetenz zu besänftigen.

Wir sind unseren Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie entschieden für die Durchsetzung der WHO-Richtlinien eintreten und somit der Bevölkerung und den kleinen Patienten helfen, aber auch peniblen Selbstschutz betreiben. Solange das Risiko noch so überschaubar ist wie derzeitig und unsere Mitarbeiter nicht hilflos und verängstigt herumsitzen, möchten sie das Projekt weiterhin unterstützen. Sie können die Lage vor Ort gut beurteilen und stehen in täglichem Austausch mit uns. So können wir umgehend reagieren, sollte sich die Lage verschlechtern.

Wir halten natürlich engen Kontakt mit den Unsrigen in Freetown, die den Menschen dort Mut machen, wir sichten Fachinformationen von den damit befassten tropenmedizinischen Experten und wünschen nichts sehnlicher, als ein baldiges Ende dieser elenden Epidemie. Da es noch keine Therapie gibt und nur der akribische Selbstschutz sichert, haben gute Wünsche hier vielleicht doch ihre Berechtigung.

Mit besten Wünschen

Ihr Werner Strahl und das gesamte Kölner Büro