Ein starkes Team

Vor rund 80 Jahren wurde das Hospital von Lwala gegründet. Damals ging es vor allem darum, die hohe Müttersterblichkeitsrate in Uganda zu senken. Heute ist Malaria in dieser Region die Haupttodesursache – eine Krankheit, die mit Medikamenten in den meisten Fällen heilbar ist. Doch bisher suchten die Patienten in diesem Krankenhaus vergebens nach Hilfe, denn es mangelte an Fachpersonal ebenso wie an Arzneimitteln und technischen Geräten. Cap Anamur hat zu Beginn des Jahres mit der Renovierung der 100 Betten großen und zum Teil stark baufälligen Einrichtung begonnen. Wir haben die benötigte medizinische Ausrüstung angeschafft und das Lager der Apotheke gefüllt.

Parallel haben unsere Mediziner begonnen, die einheimischen Kollegen und Kolleginnen weiterzubilden: Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen werden im Laufe der kommenden Jahre nach Lwala kommen, um ihr Wissen weiterzugeben. „Es ist beeindruckend, dass die ugandischen Mitarbeiter ihre Motivation nicht verloren und ihre Patienten so gut es geht versorgt haben – und das, obwohl sogar basismedizinische Geräte wie Thermometer fehlten und ihr Lohn mehrere Monate nicht ausgezahlt werden konnte“, berichtet unsere Ärztin Katrin Haas. Schon nach wenigen Wochen zeigten sich die Erfolge der Fortbildungen im Krankenhausalltag.

So findet zum Beispiel zweimal wöchentlich eine Sprechstunde zum Thema Diabetes statt: Eine Krankheit, die zuvor zwar richtig diagnostiziert, aber nicht adäquat behandelt worden war. Sowohl auf Seiten der Mediziner als auch auf der der Patienten fehlte das Wissen über die Zuckerkrankheit. Mehrfach wurden Patienten in komatösem Zustand eingeliefert, kurzfristig mit Insulin stabilisiert und dann ohne ausreichend Insulin entlassen. Patrick etwa wurde schon dreimal komatös eingeliefert. Der 28jährige litt sehr unter der Krankheit, fühlte sich stigmatisiert und war sozial ausgegrenzt. Viele Jahre hatte er große Sorge, seine Freundin und seine Familie anzustecken.

Heute werden Diabetes-Patienten mehrere Tage aufgenommen, damit die benötigte Insulin-Menge ermittelt und ein Zuckerprofil erstellt werden kann. Im Krankenhaus informieren Aushänge über die offene Sprechstunde, in der die Patienten und Angehörigen alles zum Thema Spritzen, Ernährung und Bewegung erfahren. Zudem wird hier die Insulindosis immer wieder angepasst. „Einmal im Monat besucht Patrick die Sprechstunde und holt sich seine neue Insulindosis ab. Seit er weiß, dass er seine Familie nicht anstecken kann, ist er ein unbeschwerter Mensch“, berichtet Cap-Anamur-Arzt Dennis Gutmann. „So wie ihm geht es den meisten Patienten.“

In den kommenden Jahren ist unsere größte Aufgabe, das Hospital in die finanzielle Unabhängigkeit zu führen. Der Weg dafür ist bereits geebnet: Denn schon jetzt wirken sich die vielen kleinen und großen Fortschritte so positiv auf die Arbeit des Krankenhaus-Teams und das Vertrauen der Patienten aus, dass die Patientenzahlen stetig steigen. Der Weg zu einer umfassenden medizinischen Versorgung wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Doch langfristig wird das Krankenhaus von Lwala finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen können.