Engagiert für eine bessere Zukunft

Von Faisal Haidari

Seit ungefähr sechs Monaten arbeitet Khadija Samet als lokale Projektleiterin der Cap-Anamur-Hebammenausbildung in Herat. Die erfahrene und in Herat wohlbekannte Hebamme ist in jeder Hinsicht ein Gewinn für uns. Der Wunsch, sich für ein Cap-Anamur-Projekt zu engagieren, ist durch ihren Mann Soleyman Samet entstanden.

Der 32-jährige hat selbst drei Jahre für Cap Anamur gearbeitet: Vor neun Jahren hat er mit uns das Distrikt-Hospital in Gulron aufgebaut, in einem der äußersten ländlichen Bezirke der Provinz Herat. Als persisch-englischer Übersetzer war er meine rechte Hand und maßgeblich am Erfolg des Projektes beteiligt. Soleymans Einsatz war enorm: Er hat mit uns einen mehrtägigen Sandsturm durchgestanden, war mit dem Team mehrere Wochen von der Provinzhauptstadt abgeschnitten, weil Schneemassen die Landstraßen unpassierbar blockierten, er spendete Blut bei medizinischen Notfällen und arbeitete viele Nächte durch, um die medizinische Versorgung der Landbevölkerung schnellstmöglich zu gewährleisten. Für Cap Anamur war dieser loyale und fähige Mitarbeiter mit dem Herz am rechten Fleck eine große Bereicherung.

Seiner damaligen Verlobten Khadija berichtete er viel von seiner Arbeit. Nur von den Gefahren, denen er durch die zunehmende Verschlechterung der Sicherheitslage ausgesetzt war, erzählte er nicht, um ihr keine Sorgen zu bereiten. Heute lebt Soleyman mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem kleinen selbst gebauten Häuschen am Stadtrand. Eines ihrer Kinder, einen kleinen Jungen, hat das Paar adoptiert. Seine leibliche Mutter starb bei seiner Geburt. In dieser Nacht hatte Khadija Dienst und der Vater der Verstorbenen, ein Nachbar, den sie schon lange kannte, bat sie inständig, für den Jungen zu sorgen. Er selbst war zu arm und zu mutlos gewesen, um den Säugling zu versorgen. Wer die Familie Samet ohne das Wissen um die Adoption besucht, würde niemals erkennen, welcher Sohn adoptiert und welcher leiblich ist – die Eltern kümmern sich sehr liebevoll um alle drei Kinder.

Khadeija ist als berufstätige, fachlich qualifizierte Frau, die Familienleben und Berufsleben gleichermaßen schultert, auch ein gutes Vorbild für unsere Hebammenanwärterinnen, die teilweise aus recht traditionell-patriarchisch geprägten Familienstrukturen stammen und denen es in ihren Dörfern an erfolgreichen weiblichen Vorbildern fehlt. Als Frau einen Beruf auszuüben, in keine Versorgerabhängigkeit zu geraten, ist oft das „Zünglein an der Waage“, das über die Zukunft eines Mädchens entscheidet. Denn viel zu oft werden Mädchen und Frauen im ländlichen Afghanistan als Ware betrachtet undentsprechend behandelt. Zwangsverheiratungen von teilweise blutjungen Mädchen oder der Tausch von Mädchen, um den Brautpreis zu sparen. Als Mädchen in einem ländlichen Dorf in Afghanistan geboren zu werden, ist eine riskante Sache. Viele von ihnen erleben Gewalt, Zwang und Ausbeutung. Und unzählige Frauen sterben bei der Geburt, weil es für sie keine medizinische Versorgung gibt.

Jede unserer Auszubildenden trägt neben ihrer beruflichen Qualifikation auch unsere Hoffnung in ihr Dorf, dass mit ihrem Engagement die Lebensqualität unzähliger Frauen und Mädchen in Zukunft verbessert wird – sei es durch Geburtenkontrolle, Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsassistenz, Stillberatung, Impfberatung oder Hygiene- und Ernährungsberatung.

-> Die Kosten je Ausbildungsplatz betragen samt Lehrmaterial, Unterkunft und Verpflegung 3.200 Euro – eine gute Investition in die Zukunft Afghanistans.