Frischer Wind im Kinderkrankenhaus von Freetown

Seit Juli 2009 betreut Cap Anamur die einzige Kinderklinik des Landes. Täglich kommen rund 200 Kinder in die Einrichtung, die damit ständig überfüllt ist. Mit Beginn der Regenzeiten verdoppeln sich die Patientenzahlen, weil die Malaria- und Typhusinfektionen drastisch steigen. Daher war es höchste Zeit, ein weiteres Stockwerk zu bauen, in das bereits die Verwaltung und das Lager mit den Verbrauchsgütern umgezogen sind. Der dadurch freigewordene Trakt im Haupthaus wird nun renoviert: Hier entsteht eine neue Station mit Platz für 60 zusätzliche Betten. So können in Zukunft 200 Kinder stationär versorgt werden. Dank dieser Umstrukturierung haben sich die Wege zwischen den verschiedenen Stationen deutlich verkürzt.

Zu Beginn des Jahres hat Cap Anamur gleich vier medizinische Fachkräfte nach Freetown geschickt, um dort das Kinderkrankenhaus zu unterstützen. Die beiden Krankenpflegerinnen Sigrid Bujak-Blecher und Sarah Christiani haben ihre Arbeit schon im Januar aufgenommen; Mitte Februar bekamen sie Unterstützung von den beiden Kinderärzten Philin Wedde und Rafael Reichelt. Das junge Team war schnell aufeinander eingespielt und kümmert sich nun gemeinsam mit dem Logistiker Hassan Basma um die Verbesserung der Klinikabläufe. Dabei geht es neben organisatorischen Fragen auch um die Weiterbildung der einheimischen Kollegen, nicht zuletzt in dem so wichtigen Bereich der Hygiene. Bei der täglichen gemeinsamen Visite werden die Ärzte von einem Pulk wissbegieriger Pflegeschülerinnen begleitet, die die Gelegenheit nutzen, ihre Fragen loszuwerden.

Medizinische Versorgung

Die meisten der Patienten leiden an einer Infektionskrankheit. Aufgrund schlechter Erstversorgung oder weil die Kinder erst nach Stunden oder sogar Tagen zu uns in Krankenhaus gebracht werden, sind die Folgen oft gravierend; viele Kinder sterben an Austrocknung, Anämie und Blutvergiftung. Problematisch ist häufig auch die Versorgung von Neugeborenen durch traditionelle Geburtshelfer, die durch nicht-sterile Abnablung bakterielle Infekte, wie zum Beipiel Wundstarrkrampf, übertragen. In einem Land wie Sierra Leone mit sehr schlechter Durchimpfungsrate ist das leider gar nicht selten, und oft endet es tödlich.

Hinzu kommt, dass das Krankenhaus nur über eingeschränkte intensivmedizinische Betreuungsmöglichkeiten verfügt. So freuen sich alle, wenn ein wiederbelebtes Frühchen in gutem Zustand nach Hause entlassen werden kann. Noch vor Einrichtung der Intensivstation hätte es sicher nicht überlebt. Die Ärzte hatten dem Kind aufgrund seines schlechten Zustandes kaum eine Überlebenschance zugetraut. Doch nach acht Tagen Behandlung ging es ihm wieder sehr gut, es trank an der Brust seiner Mutter und zeigte keinerlei Symptome. Das weitere Gedeihen kann durch nährstoffreiche Muttermilch erreicht werden.

Die Zukunft der Kinderklinik

Zur weiteren Planung des Projekts werden im April die beiden Mediziner und Cap-Anamur-Vorstandsmitglieder Dr. Edith Fischnaller und Dr. Werner Strahl die Kinderklinik in Sierra Leone besuchen. Neben Verhandlungen mit Behörden des Gesundheitsministeriums geht es um die Renovierung und eine mögliche Erweiterung der „Special Baby Care Unit“, der Intensivstation. Für sie fehlen wichtige technische Geräte wie Überwachungsmonitore, Absauggeräte und Sauerstoffkonzentratoren. Wir hoffen sehr, dass wir einige der Geräte mit Unterstützung unserer Spender so bald wie möglich anschaffen können.