Im Kampf gegen Malaria und Hunger

Je länger ich hier bin desto mehr wird mir bewusst, dass wir hier wahrscheinlich am verlassensten Fleck der Erde sind. Obwohl ein kleiner Teil der Bevölkerung bereits nach Dingen der entwickelten Welt strebt wie Handys, Tablets und Internet oder einem schicken Outfit, ist der überwiegende Teil der Menschen hier einfach nur arm. Es fehlt an sauberen Trinkwasser, Kleidung, Seife und am schlimmsten Essen. Vor kurzem hörte ich die wohl traurigste Geschichte in der Kindersprechstunde. Eine Mutter meinte sie konnte mit ihrem Kind nicht früher ins Krankenhaus kommen, da sie keine Kleidung für ihr Kind hatte und sich erst welche von Verwandten leihen musste. Die Menschen kämpfen hier gegen eine unglaubliche Armut und wollen sich doch ein Stückchen Würde behalten. Die Arbeit und Unterstützung für die Menschen hier lohnt sich wirklich sehr!“

Kathrin Baumgartner, Ärztin in den Nuba-Bergen

 

Die diesjährige Malariasaison traf das Volk in den Nuba-Bergen besonders schwer. Unsere Cap Anamur-Mitarbeiter vor Ort verzeichneten weitaus mehr Malaria-Erkrankungen als in den letzten Jahren. Vor allem Kinder waren von der Krankheit betroffen. Stolz können unsere Mitarbeiter allerdings behaupten, so gut wie keinen Patienten verloren zu haben. „Lediglich einige wenige Kinder, die zu spät von ihren Eltern zum Krankenhaus gebracht worden sind, und ein paar alte Menschen, die zu wenig Ressourcen hatten, um gegen die Malaria zu kämpfen, überlebten die Saison nicht“, sagte Kinderärztin Kathrin Baumgartner.

Doch die Menschen in den Nuba-Bergen haben nicht nur mit Malaria zu kämpfen: Erneut steht dem Volk der Nuba eine Nahrungsmittelknappheit bevor – doch dieses Jahr hat diese besondere Ausmaße. Die Aussaht und die Ernte erfolgen in den Nuba-Bergen alljährlich in einem ähnlichen Rhythmus. Die Anbauzeit ist im Frühjahr, dann folgt Regen und geerntet wird im Herbst. Mitte der Regenzeit Juni bis August kommt es jährlich zu einem Nahrungsmittelengpass. Im August kann der Mais geerntet werden, das Hauptnahrungsmittel Sorghum ist allerdings erst im November reif für die Erne. Der Wegfall der Kornkammer um Al Azarag im Frühjahr 2016 aufgrund der anhaltenden Kämpfe, eine schlechte Regenzeit und die anhaltende Inflation tragen zu einer Verschlechterung der Nahrungssituation bei.

Da die Nahrungsmittelknappheit Kinder besonders hart trifft, nehmen wir in unserem zentralen Krankenhaus in Lwere in der Trockenzeit von November bis Mai etwa fünf schwer unterernährte Kinder in unser Feedingprogramm auf, in den Monaten mit Nahrungsmittelknappheit von Juli bis Oktober sogar zehn bis 15 Kinder jeden Monat. Vor allem Kinder unter fünf Jahren leiden unter der Nahrungsmittelknappheit. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko an Krankheiten wie Malaria, Atemwegsinfektionen oder Durchfallerkrankungen zu versterben.