Neue Klinik als Zeichen der Hoffnung

Die neue Cap-Anamur-Klinik ist das Prunkstück von Sebbe Q`Sour, der schiitischen Gemeinde nordöstlich von Bagdad. Stolz führen örtliche Würdenträger Besucher durch die gefliesten Räume. Der weiße Neubau ist die erste reguläre medizinische Einrichtung in der Geschichte des Ortes – für die 50.000 Einwohner auch ein Zeichen der Hoffnung, dass es am Ende doch eine friedliche Zukunft geben wird, für sie und für den ganzen Irak.

Bis zu 400 Patientinnen und Patienten stehen täglich vor dem Tor und suchen Hilfe bei den 7 Ärzten, die Anfang August aus dem provisorischen Gesundheitsposten in das neue Gebäude umgezogen sind. „Der Weg in die Hauptstadt hinein ist immer gefährlicher geworden“, berichtet Dr. Adnan, der Leiter unserer Klinik. „Schon deshalb ist es ein Segen, dass wir uns jetzt hier am Ort um die Kranken kümmern können.“

Tatsächlich sind die angrenzenden Gebiete von Sadr-City noch weit vom Frieden entfernt: Immer wieder sind die dumpfen Einschläge bis nach Sebbe Q`Sour zu hören, wenn amerikanische Kampfhubschrauber und Bomber vermeintliche „Treffpunkte von Terroristen“ angreifen. Oft sind die Opfer solcher Bombardements aber Frauen und Kinder. Die Folge: Auch die zunächst gemäßigten Gruppen greifen zu den Waffen gegen die verhassten Besatzer. Und auch zwischen rivalisierenden Milizen eskaliert die Gewalt.

Immer wieder war auch unser Gesundheitsposten in Al Hamidia komplett abgeschnitten. „Wir können dann einfach nicht mehr zu den Kollegen durchdringen, weil überall geschossen wird“, sagt Dr. Adnan. Wichtige Medikamente und Verbrauchsmaterial zur Versorgung von 11.000 Einwohnern fehlen dann über Wochen hinweg.

In dem allgemeinen Klima der Unsicherheit ist vom angekündigten Wiederaufbau des Landes noch nicht viel zu sehen: Ein japanischer Baukonzern sollte für viel Held die Wasserversorgung in den Armenvierteln herstellen. Millionen Dollar sind zwar geflossen – Wasser aber bisher nicht. Nur ein paar rostige Rohre erinnern noch an die Versprechen der von den Amerikanern eingesetzten Übergangsverwaltung.

Wurden sie zunächst von den Schiiten überwiegend als Sieger über Saddam Hussein respektiert, so haben die US-Truppen mittlerweile auch in Sebbe Q`Sour jede Glaubwürdigkeit verspielt. Der Plan, in den nächsten drei Monaten demokratische Wahlen abzuhalten, gilt allgemein als bereits gescheitert. „Ich brauche keinen Zettel mit Politikernamen“, fasst ein junger Mann die Stimmung zusammen, „ich brauche Geld, um meine Familie durchzubringen.“ Doch das wird wohl bis auf weiteres ein unerfüllbarer Traum bleiben: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 80 Prozent.