Leben an der Grenze – Zwischen Leid und Hoffnung

Der Libanon ist das Land, das mit Abstand die meisten Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat. Über eine Millionen Syrer haben dort Schutz vor dem Krieg im eigenen Land gesucht. Damit hat der Libanon etwa ein Fünftel aller syrischen Flüchtlinge weltweit aufgenommen. In notdürftigen Behausungen warten die Vertriebenen grenznah auf das Ende des Krieges und die damit verbundene Rückkehr in ihre Heimat.

Die medizinische Situation im Libanon gestaltet sich allerdings schwierig. Anders als zum Beispiel in der Türkei oder in Jordanien leben die Geflohenen hier nicht in großen Flüchtlingslagern, sondern in unterschiedlich großen Camps, die im ganzen Land verteilt sind. Ein Großteil der syrischen Flüchtlinge lebt in der Bekaa-Ebene, einer Hochebene im Osten des Landes. Andere ziehen es vor, sich irgendwo im Land eine zumeist schlecht bezahlte Arbeit zu suchen, um ihre Familien versorgen zu können. Auch die Behausungen der Flüchtlinge fallen völlig unterschiedlich aus. So leben einige in nicht fertig gestellten Rohbauten, andere in Zelten oder Hütten. Die weitläufige Verteilung der syrischen Flüchtlinge macht ihre medizinische Versorgung umso schwerer. Aktuell unterstützen wir die syrischen Flüchtlinge, indem wir den über das ganze Land verstreuten Syrern die Fahrten zum nächsten Arzt, ins Labor oder sogar ins nächste Krankenhaus ermöglichen. Etwa 3.500 Patienten können wir so im Monat erreichen und medizinisch versorgen. Unsere Mitarbeiter arbeiten im Libanon sowohl mit einem staatlichen als auch mit einem privaten Krankenhaus zusammen. Neben dem Transport der Flüchtlinge übernehmen wir auch die Kosten, die bei ihrem Krankenhausaufenthalt anfallen und versorgen zusätzlich das privat geführte Krankenhaus mit Medikamenten.

Außerdem prüfen wir aktuell, inwiefern wir in den Flüchtlingscamps ein ganzheitliches therapeutisches Programm für Flüchtlingskinder anbieten können, die mit einer Behinderung leben müssen. Familien mit behinderten Kindern haben es auf der Flucht oft besonders schwer, da die Situation ihrer Kinder erhöhte Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht und mit weiteren Kosten verbunden ist. Dennoch werden Flüchtlingskinder mit Behinderung weder gesondert registriert oder finanziell unterstützt. Mit dem Angebot eines ganzheitlichen Programms wollen wir diesen Kindern ein Stück Lebensqualität zurückgeben und für ihre Eltern Zeit und Raum schaffen, um anderen Tätigkeiten nachzugehen.