Gelungener Wiederaufbau nach dem Erdbeben

Von Dr. Werner Strahl

Gerade bin ich aus Nepal zurückgekehrt, wo ich an der feierlichen und fröhlichen Wiedereröffnung der ersten der beiden Schulen teilgenommen habe, die in nur 11 Monaten, jetzt erdbebensicher und größer, errichtet wurden.

Am 25.4.2015 zerstörte das verheerende Erdbeben mit der Stärke 7,8 die Bergdörfer um „unseren“ Ort Judeegaun fast vollständig. Schon nach drei Tagen war unser kleines Nothilfe-Team mit dem Krankenpfleger-Ehepaar Ana und Philippe Valentine und dem Logistiker Jürgen Maul vor Ort, versorgten die Kranken und Verletzten medizinisch, besorgten Hilfsgüter und Nahrungsmittel und begannen mit der Planung des Wiederaufbaus.

Großes Glück war für uns der einheimische Organisator Anil Sapkota, der in Münster studiert hatte und rasch ein Bauteam engagieren und die Dorfbewohner motivieren konnte. 250 Kinder des Dorfes mussten bis jetzt unter einem rasch errichteten  Wellblechdach unterrichtet werden.

Auf das Wiederaufbauergebnis nach nur einem Jahr können wir stolz sein. Blau-weiß leuchten die fünf neuen, sicheren Schulpavillons hoch auf dem Hügel. 150 zusätzliche Schüler haben sich angemeldet. Von der Regierung wurde die Primary- zur Secundary-School bis zum 10. Schuljahr aufgewertet. Angesichts der ansonsten sehr schleppend anlaufenden staatlichen aber auch ausländischen Hilfe ist der deutsche Botschafter in Kathmandu von unserem Projekt sehr angetan.  Eine zweite Schule errichten wir nach dem gleichen Prinzip in dem abgelegenen Bergdorf Chandeni. Das große Problem sauberen Wassers gehen wir jetzt am Ende der Trockenzeit in beiden Schulen durch Brunnenbau und Pumpenversorgung an.

Mit der ungeheuren Teilnahme von 2.500 Personen bei unserem Einweihungsfest am 7. Mai waren wir überglücklich. Örtliche Schneider hatten den Schülerinnen und Schülern maßgefertigte Uniformen geschneidert und sie bekamen neue, dringend benötigt Schuhe angepasst. Ihre Tanz- und Gesangsaufführungen waren wunderbar. Sie wurden vergoldet durch lokale Gesangsstars und gewürdigt durch Ansprachen von Autoritäten des Landes, die unsere zupackende Hilfe lobten, aber scharfe Kritik an der Regierung übten. Bisher sind von den versprochenen 2.000 Dollar pro Familie erst 200 ausgezahlt worden, so dass die meisten noch in elenden Behausungen wohnen müssen.

Dies kritisiert auch unser derzeitige Baumeister Horst Hühnlein, der schon in vielen Cap-Anamur-Projekten schuftete, aber jetzt schwärmt: „Noch nie habe ich mich unter Einheimischen, mit denen ich zusammen lebe, so wohl und freundlich aufgehoben gefühlt, wie hier in Nepal!“ Auch ich kehre tief beeindruckt zurück vom ruhigen und achtungsvollen Umgang der Menschen miteinander. Kein Kindergeschrei, fröhliche Schüler, die trotz langen Schulwegs intensiv lernen und den leisen Anweisungen der Lehrer offensichtlich gern folgen.

Die im hinduistischen Nepal offiziell zwar abgeschaffte, aber noch vorhandene Kastenordnung wird an unseren Schulen nicht beachtet. Sie werden vornehmlich von „Nichtberührbaren“ besucht, deren Armut uns besonders berührt.

Unser herzliches Dankeschön an unsere Spenderinnen und Spendern, die diesen erfolgreichen Wiederaufbau erst ermöglicht haben!