Wiederaufbau in Nepal

Im April haben Tausende Nepalesen innerhalb weniger Minuten alles verloren: ihr Zuhause, ihr Hab und Gut oder, schlimmer noch, Verwandte und Freunde. Rund 8.800 Menschen überlebten das schwere Erdbeben nicht. Und einem Großteil der bitterarmen Bevölkerung fehlt auch sieben Monate danach noch ein festes Dach über dem Kopf.

Das Cap-Anamur-Nothilfe-Team kam nur vier Tage nach dem Beben in dem Himalaya-Staat an: Während unsere Krankenpfleger sich in einer selbst errichteten Ambulanz um die Kranken und Verletzten im abgelegenen Bergdorf Judeegaun kümmerten, schaffte unser krisenerfahrener Logistiker Jürgen Maul erste Hilfsgüter und Nahrungsmittel heran.

„Hilfe beim Wiederaufbau – das benötigen die Menschen nach der akuten Phase am dringendsten. Denn mehr als 95 Prozent der Häuser in Judeegaun lagen in Schutt und Asche“, berichtet Maul, der sich seit acht Jahren für Cap Anamur engagiert. „Doch bevor wir mit dem Wiederaufbau der Schule starten konnten, mussten wir die Straße hinauf ins Bergdorf von Trümmern befreien und die Schlaglöcher ausbessern, damit wir die zahlreichen LKW-Ladungen mit Steinen, Zement und Stahl heran schaffen konnten. Die Logistik war ohnehin schon eine große Herausforderung, erschwerend hinzu kam der Monsunregen.“

Doch davon ließ sich unser 22-köpfiges einheimisches Bau-Team nicht entmutigen: Die rund 300 Kinder im Dorf sollen möglichst bald eine neue, erdbebensichere Schule bekommen. Für besondere Stabilität sorgen Stahl-Beton-Pfeiler in 15 und 30 Zentimeter Breite, die alle drei Meter in die Mauer eingebaut und 120 Zentimeter tief in die Erde eingelassen werden. Ein schöner und beabsichtigter Nebeneffekt dieses Projekts: Die Bauarbeiter, die durch das Erdbeben ebenfalls ihre Wohnhäuser verloren haben, verdienen mithilfe dieser Arbeit das Geld, um ihr Zuhause wiederaufzubauen.

„Die Menschen in Judeegaun waren unfassbar stolz und dankbar, dass wir ihnen während dieser schweren Zeit beigestanden haben“, berichtet Krankenpflegerin Anabela Valentin. „Wir haben unser Zelt im Dorf aufgeschlagen und eine intensive Zeit miteinander erlebt. Ganz sicher: Wir werden diese Menschen in Erinnerung halten.“