Nord gegen Süd: Das Referendum im Sudan

Am 9. Januar begann das mit Spannung erwartete einwöchige Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudans. Ob die Abspaltung des ölreichen Südens friedlich abläuft oder von einem erneuten Bürgerkrieg begleitet wird, können selbst die politischen Protagonisten in Nord- und Südsudan nicht vorhersagen. Das Referendum könnte zu Unruhen und Gewalt im ganzen Land führen. Vor allem aber wird die Abspaltung des Südens zu Problemen für die Regionen um Darfur, die Nuba-Berge und Blue Nile führen.

Somit scheint ein Verlierer dieses Prozesses schon festzustehen: die schwarzafrikanische Bevölkerung der Nuba-Berge. Diese Region wurde und wird in der Weltöffentlichkeit eben aufgrund der Schwarzafrikaner eher als Teil des Südsudans wahrgenommen. Allerdings gehören die Nuba-Berge geographisch gesehen zum zentralsudanesischen Bundesstaat South Kordufan, der unter der Führung des zur arabisch-fundamentalistischen National Congress Party (NCP) gehörenden Gouverneurs Ahmed Haroun steht.

Die Menschen der Nuba-Berge sind stark besorgt aufgrund ihrer eingeschränkten Rechte, insbesondere das über ihre Selbstbestimmung. Für die Nubas haben politische und ethnische Marginalisierung sowie religiöse und kulturelle Diskriminierung seit der Unabhängigkeit in 1956 eine lange und traurige Tradition. Bei allen Friedensgesprächen zwischen den Vertretern von Nord und Süd wird ihr Anspruch auf  Selbstbestimmung weitgehend ignoriert. Hier richtet sich das Interesse in erster Linie auf die Probleme im Süden.

Besonders wichtig für die Zukunft der Menschen in den Nuba-Bergen sind deswegen zwei weitere Abstimmungen: Zum einen ist für South Kordufan ganz unabhängig von dem für den Südsudan abgehaltenen Referendum für den 9. April eine Wahl geplant. Sie soll über den Gouverneur und das Parlament des Bundesstaates entscheiden. Diese Wahl hätte 2010 schon zweimal stattfinden sollen, wurde aber beide Male verschoben. Noch bedeutender für South Kordufan wäre die im Comprehensive Peace Agreement von 2005 festgelegte Popular Consultation. Hier soll ein Komitee, dessen Zusammensetzung noch unklar ist, über die Konfliktlösung für die Staaten South Kordufan und Blue Nile beraten. Dabei geht es für die Nubas um nicht weniger als ihre Integrität als Stamm.