„One cup a day“

Seit einigen Wochen ist unser Team in Somaliland, einer Gegend im Norden Somalias, mit einer Mobilen Klinik unterwegs, um auch die abgelegenen Dörfer medizinisches zu versorgen. Die Mobile Klinik ist an sechs Tagen in der Woche im Einsatz und fährt, je nach Lage, ein oder zwei Dörfer am Tag an. Aktuell stehen 13 Dörfer auf der Liste des kleinen Einsatzteams. Diese sollen spätestens alle zwei Wochen angefahren werden. So können regelmäßig fast 30.000 Einwohner medizinisch versorgt werden.

Ein besonderes Erlebnis hatten unsere Mitarbeiter vor Ort, als sie mit der Klinik in Goljano, einem kleinen Dorf am Fuße eines Berges, ankamen. Nachdem das Team bereits zwei Stunden vor Ort war und verschiedene Beratungsgespräche geführt hatte, wurde plötzlich ein alter Mann von etwa 75 Jahren hineingebracht, der alleine nicht mehr laufen konnte. Sein Blutdruck lag bei 220/120, er zitterte am ganzen Körper und konnte kaum sprechen. Nachdem er von unserem Team ein blutdrucksenkendes Mittel und etwas zu trinken bekommen hatte, fühle er sich ein wenig besser. Auf die Frage, wie viel er in etwa am Tag trinke antwortete der Mann dann: „One cup a day“ – Also ein Glas Wasser am Tag. „Ich war von dieser Antwort total schockiert. Während ich ihm erklärt habe, wie wichtig es ist viel zu trinken, bekam der ältere Herr direkt noch mal Wasser von mir nachgeschenkt“, erzählte Thorsten Kirsch, Cap Anamur-Krankenpfleger. Im Anschluss konnte der Mann ohne Unterstützung, aufrecht und alleine wieder zurück in seine Unterkunft laufen. Als unser Team eine Woche später wieder in dem Dorf zur Sprechstunde war, kam er zu uns, um erneut seinen Blutdruck zu testen. Dieser hatte sich inzwischen normalisiert. Außerdem erzählte er unseren Mitarbeitern, dass er noch nie so gut geschlafen hätte, wie in den letzten Tagen.

Die Dürre in Afrika hat vor allem die ländliche Bevölkerung schwer getroffen. Seit Beginn des Jahres 2017 versorgen wir die Dörfer im Norden Somalias mit Wasser und Lebensmitteln. Nur 32 Prozent der Bevölkerung in Somalia hat aktuell Zugang zu sauberem Trinkwasser. Auch wenn die diesjährige Regensaison besser ausfiel als in den letzten Jahren, ist das Leid in der Bevölkerung groß.

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