Report aus dem Kinderkrankenhaus in Freetown

Als Lamin mit seiner zwölfjährigen Tochter Maria ins Ola During Childrens Hospital (ODCH) kam, war er verzweifelt und den Tränen nahe. Um seiner an einer schweren Infektion erkrankten Tochter zu helfen, hatte er sich bei Freunden und Verwandten hoch verschuldet. Maria war bereits in verschiedenen Einrichtungen gewesen und wurde mit unterschiedlichen Therapien behandelt. Da sich Lamin die speziellen und sehr teuren Antibiotika nicht leisten konnte, bekam Maria nur alle zwei Tage ein günstigeres Medikament. Als sie schließlich ins ODCH kam, war sie so geschwächt, dass unsere Mitarbeiter vor Ort nicht sicher waren, ob Maria überleben würde.

Das ODCH ist das zentrale Kinderkrankenhaus in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. 180 Betten stehen dort für die kleinen Patienten bereit, die meist im schwer kranken Zustand eingeliefert werden. Für besonders schwere Fälle stehen zwölf Betten auf der Intensivstation bereit, die sich allerdings nicht mit einer Intensivstation in Deutschland vergleichen lässt. Die Möglichkeiten der Behandlung sind in Sierra Leone stark beschränkt, so stehen auf der Intensivstation neben etwas Sauerstoff, lediglich ein paar technische Hilfsmittel zum Verabreichen von Infusionen und ein Monitor zur Überwachung bereit. Alltag gibt es im ODCH keinen. Schwestern und Ärzte kämpfen um das Leben jedes kleinen Patienten. Häufig müssen sich Mitarbeiter um mehrere Kinder gleichzeitig kümmern, Infusionen legen, Medikamente verabreichen und reanimieren. Im ganzen Land gibt es nur zwei Fachärzte für Kinderheilkunde. Einer dieser Ärzte ist bereits 80 Jahre und teilweise schon in Pension. Die andere Fachärztin ist aktuell im Mutterschutzurlaub und unterstützt dennoch das Gesundheitsministerium.

Unsere Arbeit im ODCH

In den nächsten Monaten werden wir unsere praktische Arbeit mit medizinischen Personal aus Deutschland auf diesen Bereich konzentrieren. Zurzeit finden noch Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten durch unsere Techniker statt, der Betrieb geht auch in dieser Zeit weiter. Wichtigste Aufgabe wird außerdem die Beschaffung von lebenswichtigen Medikamenten sein, an denen es in Sierra Leone in vielen Krankenhäusern mangelt. Für weniger als 10.000 Euro im Monat können unzählige Kinder vor dem Tod oder bleibenden Schäden bewahrt werden.

Maria wurde von uns kostenfrei weiterbehandelt und war nach vier Tagen tatsächlich wieder auf dem Weg der Besserung. Ihr Vater Lamin und ihre ganze Familie strahlte vor Glück und hätte uns am liebsten mit Geschenken überhäuft. Die Arbeit in der Kinderklinik in Freetown ist eines unserer wichtigsten Projekte. Geschichten wie die von Maria zeigen uns, wie wichtig unsere Arbeit vor Ort ist und dass wir dort gebraucht werden. Schon viele Kinderärzte aus Deutschland haben sich mit vollem Einsatz und viel Leidenschaft im ODCH eingebracht, dafür sind wir unheimlich dankbar. Wir hoffen, dass es ihnen noch viele gleichtun werden.

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