Auf der Suche nach Lebensrettern

In vielen tropischen Ländern ist die durch Moskitos übertragene Infektionskrankheit Malaria weit verbreitet, darunter auch Sierra Leone. Das westafrikanische Land weist das fünfhäufigste Malaria-Vorkommen weltweit auf. Deswegen ist hier der Bedarf an Blutkonserven sehr hoch. Besonders häufig von Malaria betroffen sind Kinder und schwangere Frauen, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist beziehungsweise während der Schwangerschaft geschwächt sein kann.

Malaria greift die roten Blutzellen an, die für den Sauerstofftransport zuständig sind. Bei einem schweren Krankheitsverlauf ist ein großer Teil dieser Zellen zerstört. Entsprechend schlecht ist der Zustand der Patienten. Über die Atmung und den Kreislauf versucht der Körper mit aller Kraft, den fehlenden Sauerstofftransport zu kompensieren. Meist ist der Sauerstoffbedarf durch Fieber zusätzlich erhöht, bei Kindern oft begleitet von Fieberkrämpfen. Für einen kurzen Zeitraum kann der Körper diesen Zustand aushalten, nicht aber über mehrere Tage. Neben der sofortigen medikamentösen Behandlung des Erregers, der Senkung des Fiebers und übergangsweiser Sauerstoffgabe ist die Bluttransfusion die lebensrettende Therapie der Wahl. Vor allem kleine Kinder können sich mit der richtigen Behandlung oft in kürzester Zeit erholen. Meist werden sie wenige Tage, nachdem sie komatös eingeliefert wurden, gesund nach Hause entlassen.

Das Krankenhaus von Makeni, das Cap Anamur seit Mitte des vergangenen Jahres unterstützt, hatte bis zum Ausbruch der Ebola-Epidemie eine Blutbank. Unterstützt wurde sie von freiwillige Spendern und den Angehörigen der Patienten. Ähnlich dem deutschen System gab es eine kleine Aufwandsentschädigung, wie Fahrgeld, Limonade und Kekse. Für wiederkehrende Spender gab es Spenderausweise und T-Shirts mit dem Aufdruck „Ich bin ein Lebensretter“. Zusätzlich hat das Krankenhaus Blutspende-Aktionen veranstaltet, bei denen die Mitarbeiter mit Kühltruhen und einer Screening-Ausrüstung in entlegenere Gebiete fuhren, um Spender vor Ort zu gewinnen.

Doch leider müssen viele Spendenwillige nach dem Screening abgelehnt werden. Das sind vor allem Menschen mit Infektionskrankheiten wie Hepatitis B und C, Syphilis oder HIV, aber auch Personen mit einer zu geringen Anzahl an roten Blutzellen. Als sich das Ebola-Virus ausbereitete, brach das System vollkommen in sich zusammen. Die Blutbank hatte nun kaum mehr als zwei bis drei Konserven auf Lager, die nur dann ausgegeben werden konnten, wenn akute Lebensgefahr bestand und der Patient das Glück hatte, dass sie zu seiner Blutgruppe passten. Aufgrund des Blutmangels verstarben immer wieder Patienten an der eigentlich gut therapierbaren Malariainfektion.

Beharrlich versuchte der sehr engagierte Leiter der Blutbank, neue Spender zu gewinnen, leider mit nur mäßigem Erfolg. Doch nachdem im vergangenen halben Jahr zwei Angehörige von Soldaten der Kaserne in Makeni in sehr kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert wurden, beide von dem kleinen Notfalldepot an Blutkonserven profitierten und gesund entlassen werden konnten, meldete sich der Kommandant der Einheit bei dem Leiter der Blutbank. Nach einigen Gesprächen und Informationsveranstaltungen in der Kaserne meldeten sich 150 von rund 200 Soldatinnen und Soldaten freiwillig zur Spendenaktion.

Die Frauen und Männer wurden in drei Gruppen á 50 Personen für die kommenden drei Monate eingeteilt, denn die maximale Lagerzeit für Blut beträgt vier Wochen. Unser Krankenhaus wird von der Regierung mit der notwendigen Screening-Ausrüstung und den Verbrauchsmaterialien versorgt. Cap Anamur erstattet den Spendern die Fahrkosten und sorgt für ihre Verpflegung.

Anfang April kam die erste Gruppe. Die Anzahl der geeigneten Spendern übertraf unsere Erwartungen bei Weitem: Von 51 getesteten Soldatinnen und Soldaten eigneten sich 28 zum Blutspenden. Innerhalb von zwei Tagen hatte das Krankenhaus von Makeni sein Blutdepot gefüllt. Zwar ist damit noch nicht der komplette Bedarf für alle Patienten gedeckt, doch es kann nun wesentlich mehr Patienten geholfen werden. Im Mai kommt die nächste Gruppe.