Ebola ist noch nicht überstanden

In Westafrika gehen die Zahlen der Ebola-Neuansteckungen weiter zurück. In Sierra Leone, dem Land, das in den vergangenen Monaten unter der höchsten Zahl von Neuinfektionen litt, gab es erstmals seit Ausbruch der Epidemie zwei Wochen lang keine Neuansteckungen mehr. Grundsätzlich eine sehr gute Nachricht. „Doch so verlockend der Gedanke, die Epidemie sei überstanden, ist, darf gerade in dieser Phase die Intensität der Vorsichtsmaßnahmen nicht zurückgefahren werden“, erklärt Cap-Anamur-Krankenpfleger Dennis Wellmann. „Denn die Inkubationszeit beträgt 21 Tage und so gilt der Ausbruch erst dann als überstanden, wenn es 42 Tage lang keine Neuansteckungen gegeben hat. Begonnen wird mit dem Zählen der 42 Tage erst nachdem der letzte Ebola-Patient in einem Behandlungszentrum negativ getestet und entlassen wurde. Das könnte Anfang nächster Woche sein. Denn der letzte positiv getestete Patient im Land war ein acht Monate altes Mädchen, das vor zwei Wochen auf unserer Ebola-Station aufgenommen wurde. Das zeigt, wie wichtig unsere Sreening-Station noch immer ist, um das Virus aus dem Kinderkrankenhaus rauszuhalten – auch bei Einzelfällen!“

Deswegen setzt unser Team aus Krankenpflegern und Sozialarbeitern in Freetown trotz rückgängiger Fallzahlen weiterhin alle Sicherheitsmaßnahmen um, damit ein Wiederaufflammen der Infektion verhindert werden kann: „Auf unserer Ebola-Aufnahme- und Isolationsstation werden momentan mehr Patienten denn je aufgenommen“, berichtet Kinderkrankenpflegerin Simone Ross. „Das hängt damit zusammen, dass in der Regenzeit auch die Malariafälle zunehmen, deren Symptome sich mit denen von Ebola überkreuzen.“ Um sicher zu gehen, dass keine Ebola-Infektion übersehen wird, muss jeder potenziell Infizierte mit großer Sorgfalt befragt, untersucht und beobachtet werden. Wir werden unseren Einsatz auf der Ebola-Station des Kinderkrankenhauses so weit verlängern, wie es nötig ist. Auch, weil bereits mehr und mehr Ebola-Stationen im Land wieder geschlossen werden.

Unser Schutzhaus für Ebola-Waisen und Kinder, die Kontakt zu Ebola-Infizierten hatten, ist die einzige Einrichtung dieser Art Freetown und Umgebung. Hier betreuen wir symptomfreie Kinder über den Zeitraum der dreiwöchigen Inkubationszeit. Dank der Unterstützung von 14 Ebola-Überlebenden, die nach ihrer Genesung immun gegen das Virus sind, erhalten die Mädchen und Jungen eine kindgerechte Betreuung, bei der wir auf die furchteinflößenden Schutzanzüge verzichten können.

Die dritte Säule unserer Arbeit in Freetown umfasst ein präventives Hygieneprogramm in den Armenvierteln der Stadt: Unsere Mitarbeiter organisieren die Reinigung und Desinfektion der öffentlichen Toilettenhäuser in der Slum-Gegend. Wir stellen Hygienematerial bereit und geschulte Ebola-Überlebende aus der dortigen Gemeinschaft übernehmen die Reinigung nach jedem Toilettenbesuch und überwachen die Desinfektion der Hände. Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs ist hier besonders groß, da die hygienischen Bedingungen in den Slums ein hohes Gefahrenpotential für eine schnelle Verbreitung von Krankheitserregern darstellen.

„Obwohl es in den vergangenen Tagen keinen positiven Fall gegeben hat, sind wir nach wie vor in Alarmbereitschaft“, so Dennis Wellmann. „Ebola ist wie ein Vulkan. Es kann lange ruhig bleiben, aber wenn er ausbricht, dann wird es heftig. Daher stecken wir viel Energie und Geld in die Hygieneprävention.“

In Sierra Leone infizierten sich bisher 8.697 Menschen mit Ebola, davon starben 3.586. Bitte unterstützen Sie unsere Schutzmaßnahmen in Freetown. Jede Spende hilft!