Eröffnung unserer Ebola-Aufnahme- und Isolierstation

Um Ebola-Fälle in unserem Kinderkrankenhaus in Freetown frühestmöglich identifizieren zu können, haben wir innerhalb nur weniger Wochen eine Screening- und Isolationsstation aufgebaut – leider ohne die finanzielle Unterstützung des Auswärtigen Amtes, dafür aber mit der Hilfe unserer Spender. „Wir freuen uns sehr über das Engagement und Vertrauen unserer Spender und danken jedem einzelnen herzlich dafür!“, sagt Dr. Werner Strahl, Vorsitzender von Cap Anamur, der sich vor zwei Monaten selbst ein Bild von der Situation im Kinderkrankenhaus gemacht hat.

In diesen Stunden laufen die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der neuen Isolierstation. Am Wochenende werden dann die ersten an Ebola Erkrankten sowie Ebola-Verdachtsfälle aufgenommen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen werden die Patienten isoliert voneinander untergebracht, versorgt und auf Ebola getestet. Der Neubau bietet Platz, um 21 Patienten isoliert voneinander unterzubringen.

Unsere Ärzte und Pflegekräfte stellen sich einer immensen psychischen und physischen Herausforderung – denn die Gefahr einer Infektion ist allgegenwärtig. Aufgrund der Hitze ist das Arbeiten in den Schutzanzügen eine enorme körperliche Belastung und kaum länger als 40 Minuten möglich. Unmittelbar nach dem Gebrauch müssen die Anzüge wegen der hohen Infektionsgefahr vernichtet werden. Deswegen ist der Bedarf an Schutzkleidung extrem hoch – etwa 60 Anzüge samt Maske, Handschuhe und Gummistiefel benötigen unsere Mediziner am Tag. Bei einem Preis von 22 Euro je Set belaufen sich die Kosten auf 1.320 Euro pro Tag – und das nur für die Schutzkleidung!

Allein das An- und Ausziehen der Schutzanzüge ist sehr aufwändig und umfasst mehr als 40 Schritte. Diese müssen exakt eingehalten werden, denn nur so kann die Berührung mit womöglich kontaminiertem Material vermieden werden. Jeder unserer Mitarbeiter trainiert deswegen diese Prozedur in etlichen Trockendurchläufen, solange, bis sie fehlerfrei sitzt. Dabei überwacht ein Supervisor jeden Schritt.

Aktuell ist unsere wichtigste Aufgabe, den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten. Nur so können wir verhindern, dass Kinder mit eigentlich gut therapierbaren Krankheiten wie Malaria oder Lungenentzündung sterben. Neben unserem Team aus Deutschland gilt unser Dank den rund 100 lokalen Mitarbeitern – den Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Technikern und Logistikern: Sie ermöglichen es uns, das Kinderkrankenhaus und das Straßenkinderheim auch in Zeiten von Ebola weiterhin betreiben zu können.

Bau eines Labors

Um mit der stetig wachsenden Zahl der Ebola-Infizierten und Verdachtsfällen umzugehen, plant Cap Anamur die Einrichtung eines eigenen speziell gesicherten Labors. Denn eines der größten Probleme bei der Bekämpfung der Epidemie ist die lange Wartezeit auf die Testergebnisse. In ganz Sierra Leone gibt es lediglich drei Labore, in denen die Blutproben auf das hochinfektiöse Virus getestet werden können. So hat sich mittlerweile ein Rückstau von Hunderten von Proben gebildet – und jeden Tag kommen weitere hinzu.

Nur ein Bruchteil der Verdachtsfälle kann also überhaupt verbindlich getestet werden. Momentan müssen wir 7 bis 10 Tage auf ein Ergebnis warten. Für den betroffenen Patienten bedeutet das, eine lange Zeit der quälenden Ungewissheit in völliger Isolation verbringen zu müssen. Dabei könnte das Ergebnis mit ausreichend Laborkapazitäten innerhalb eines Tages vorliegen. Eine weitere verheerende Folge: Der Patient „blockiert“ während dieser Zeit eines der dringend benötigten Isolationsbetten.