Gemeinsam stark

Sierra Leone hat es besonders hart getroffen: Langsam erst erholte sich das westafrikanische Land von einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkriegs, als Ebola ausbrach. Die Folgen dieser beispiellosen Epidemie werden noch viele Jahre über ihr Ende hinaus zu spüren sein. Das zuvor schon angeschlagene Gesundheitssystem brach in weiten Teilen zusammen: Krankenhäuser mussten wegen fehlender Quarantänemöglichkeiten schließen, 256 Ärzte und Pflegekräfte sind der Epidemie selbst zum Opfer gefallen und fehlen nun in der Gesundheitsversorgung.

Unser Beitrag zum Wiederaufbau der medizinischen Strukturen beginnt im Regionalkrankenhaus von Makeni, dem wir in den kommenden Jahren wieder auf die Beine helfen werden. Das Krankenhaus-Team hat 22 seiner Kollegen durch Ebola verloren. In der Bevölkerung wuchsen Angst und Misstrauen und immer mehr Menschen mieden das Krankenhaus. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, wurden wichtige Standards in der Patientenversorgung abgeschafft: von körperlichen Untersuchungen über diagnostische Prozeduren bis hin zu pflegerischer Versorgung. Nach und nach kamen die Abläufe im Krankenhaus nahezu zum Erliegen.

Entsprechend chaotische Zustände fanden wir im Juli dieses Jahres vor: überfüllte Abteilungen, unstrukturiertes Arbeiten, frustriertes Personal, marode Gebäude. Zudem fehlte es an Medikamenten und Materialien, um die kostenlose Gesundheitsversorgung für Kleinkinder, Schwangere und stillende Mütter zu gewährleisten. Diese wurde vor drei Jahren eingeführt, um der hohen Mutter- und Kindersterblichkeit entgegenzuwirken.

„Der Berg an Aufgaben ist riesig“, berichtet Krankenpfleger Philippe Valentin. Dennoch hat das Cap-Anamur-Team in den ersten fünf Monaten große Fortschritte erreicht: „Wir sind beeindruckt, dass sich das Team trotz der Rückschläge während der Ebola-Epidemie nicht hat entmutigen lassen und nun voller Elan mit anpackt. Die hygienischen Bedingungen haben sich seit der Einrichtung der zentralen Sterilisation deutlich verbessert. Und schon nach wenigen Wochen konnte die Todesrate drastisch gesenkt werden. Auch, weil Cap Anamur die fehlenden Medikamente zur Verfügung stellt. Parallel steigen mit dem Vertrauen auch die Patientenzahlen kontinuierlich an.“

Deswegen haben wir rasch mit den Instandhaltungsarbeiten und Reparaturen begonnen, die über ein Jahr lang komplett vernachlässigt wurden. Auch der Anbau für die Kinderstation und die Gynäkologie läuft auf Hochtouren, damit die wachsende Zahl an Patienten versorgt werden kann.

Das Ziel ist, dieses für die gesamte Region sehr wichtige Krankenhaus innerhalb der kommenden  Jahre in die finanzielle Selbstständigkeit zu führen. Der Weg dahin ist lang, doch unsere einheimischen Kollegen sind dankbar für unsere Vorschläge zu den Stationsabläufen und setzen die gemeinsamen Beschlüsse direkt um. „Dank des guten Zusammenhalts können wir die bestehenden Ressourcen besser nutzen“, erzählt Cap-Anamur-Ärztin Antonia von Haller. „Und wir freuen uns, dass unsere Fortbildungen so gut besucht sind! Während das Krankenhausmanagement von vorneherein sehr motiviert in die Zukunft blickte und Veränderungen herbei sehnte, merken wir nun, dass sich auch bei den Mitarbeitern etwas regt. Alle gemeinsam, das Management, die Ärzte und das Pflegepersonal sowie das Team von Cap Anamur arbeiten daran, dieses Krankenhaus in ein funktionierendes Krankenhaus zu verwandeln.“

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