Im Kampf gegen Ebola

Aus Besorgnis ist längst Wirklichkeit geworden. Das Virus kann ohne Gegenmittel kaum noch eingedämmt werden. Tödlich im Höchstprozentsatz offenbart es die medizinische Ohnmacht und legt die Lücken der internationalen humanitären Hilfe offen. Seit Mitte des Jahres breitet sich Ebola in Westafrika aus. Es gibt fast keine Region im Ländereck Guinea, Liberia und Sierra Leone, in denen nicht täglich bestätigte oder verdächtige Fälle gemeldet werden. Selbst urbane Ballungsräume wie Conakry, Monrovia und Freetown sind heftig betroffen. Das Infektionsrisiko wird immer unkalkulierbarer und die Auswirkungen dieser Epidemie sind nicht einzuschätzen. Für die nationalen wie internationalen Helfer bedeutet das das Betreten von unbekanntem und gefährlichem Terrain.

Auch auf unsere Arbeit in Sierra Leone hat die Ebola-Epidemie erheblichen Einfluss. Seit fünf Jahren betreuen wir die einzige reine Kinderklinik des Landes. Mit dem Pikin Paddy haben wir im Jahr 2011 ein Heim für Straßenkinder aufgebaut. Doch seit dem Ausbruch der Seuche ist nichts mehr wie zuvor: „Nun ist unsere wichtigste Aufgabe, die uns anvertrauten Straßenkinder zu schützen und den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Dr. Werner Strahl. Der Vorsitzende von Cap Anamur hat sich bereits selbst ein Bild von der Lage in Freetown gemacht. „Nur so können wir verhindern, dass Kinder mit eigentlich gut therapierbaren Krankheiten wie Malaria oder Lungenentzündung sterben.“

Um Ebola-Fälle in unserem Kinderkrankenhaus so früh wie möglich identifizieren zu können, haben wir innerhalb nur weniger Wochen eine Screening- und Isolationsstation aufgebaut. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen werden die Patienten isoliert voneinander untergebracht, versorgt und auf Ebola getestet. Der Neubau bietet Platz für 21 Patienten.

Unsere Ärzte und Pflegekräfte stellen sich einer immensen psychischen und physischen Herausforderung – denn die Gefahr einer Infektion ist allgegenwärtig. Aufgrund der Hitze ist das Arbeiten in den Schutzanzügen eine enorme körperliche Belastung und kaum länger als 40 Minuten möglich. Unmittelbar nach dem Gebrauch müssen die Anzüge wegen der hohen Infektionsgefahr vernichtet werden. Deswegen ist der Bedarf an Schutzkleidung extrem hoch – etwa 60 Anzüge samt Maske, Handschuhe und Gummistiefel benötigen unsere Mediziner am Tag. Bei einem Preis von 22 Euro je Set belaufen sich die Kosten auf 1.320 Euro pro Tag – und das nur für die Schutzkleidung!

Neben unserem Team aus Deutschland gilt unser Dank den rund 100 lokalen Mitarbeitern – den Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Technikern und Logistikern: Sie leisten in beiden Projekten grundlegende Nothilfe.

Cap Anamur ist auch jetzt nah bei den Menschen. Vielleicht sogar näher als zuvor. Denn bei der Entscheidung, in dieser Notsituation vor Ort zu bleiben, geht es um unsere Verantwortung – die für die Menschen in Sierra Leone ebenso wie die für unsere Mitarbeiter. Und auch sie tragen große Verantwortung: „Jeder einzelne von uns ist seinem Team verpflichtet“, verdeutlicht die Cap-Anamur-Ärztin Hawanatu Jah während der morgendlichen Teambesprechung.  „Fehler passieren vor allem aufgrund von Müdigkeit oder Fahrlässigkeit. Doch schon der kleinste Fehler kann verheerende Folgen haben, sowohl für den Einzelnen persönlich als auch für die Kollegen. Wir müssen also aufeinander aufpassen.“

Mit einer Spende von 22 Euro finanzieren Sie einen kompletten Schutzanzug, mit 80 Euro helfen Sie uns, Desinfektionsmittel anzuschaffen und 110 Euro kostet ein Bett für die Isolationsstation. Jede Spende hilft!

Hilfe für Ebola-Waisen

Unsere Sozialarbeiter haben bereits erste Kinder, die ihre Familie an Ebola verloren haben, im Pikin Paddy aufgenommen. Doch die Anzahl an Ebola-Waisen steigt mit jedem Tag. Cap Anamur richtet derzeit ein zusätzliches Heim ein, in dem Kinder aufgenommen und versorgt werden, die aus dem Behandlungszentrum als gesund entlassen wurden. Unser Team kümmert sich um die traumatisierten Kinder und bietet ihnen Annahme und Schutz. Unterstützt werden wir dabei von ehemaligen Ebola-Patienten, die die Erkrankung überstanden haben und jetzt immun gegen das Virus sind.