Unsere Isolationsstation und ein neues Heim für Ebola-Waisen

Seit der Eröffnung unserer Ebola-Aufnahme- und Isolierstation sind alle 21 Betten durchgehend mit Ebola-infizierten Kindern beziehungsweise Verdachtsfällen belegt. Die Patienten, die in der Regel nicht älter als fünf Jahre alt sind, brauchen in dieser beängstigen Situation besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung. Denn die Wartezeiten auf die Bluttestergebnisse können bis zu acht Tagen in Anspruch nehmen – eine lange Zeit in der Isolation und voller Ungewissheit. In den vergangenen Tagen schien sich die Situation in den Laboren zwar etwas zu verbessern, doch unter 48 Stunden sind die Ergebnisse nicht zu bekommen.

Unser medizinisches Team ist ganztägig mit der Koordination der Abläufe in der neuen Station befasst: Unser Arzt Augustin Fombah führt bei jedem neuen Patienten vor der Aufnahme ein Screening durch. Auch die Verdachtsfälle müssen zunächst isoliert untergebracht werden. Während es in der ersten Woche noch vor allem um das korrekte An- und Ausziehen der Schutzanzüge ging, verbringen wir nun mehr Zeit an den Patientenbetten. Doch länger als eine knappe Stunde kann der Schutzanzug aufgrund der Hitze kaum getragen werden. Danach muss das kontaminierte Material unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen verbrannt werden.

Unsere speziell dafür geschulte Krankenpflegerin Elena Prögler überwacht das An- und Ausziehen der Schutzkleidung, denn schon der kleinste Fehler könnte eine verheerende Wirkung haben. Deswegen ist das Überwachen des An- und Ausziehen der Anzüge eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter. „Die Kollegen haben die Abläufe mittlerweile ganz und gar verinnerlicht und die Versorgung der Patienten funktioniert mit jedem Tag besser“, berichtet unsere Ärztin Hawanatu Jah, die sich gemeinsam mit Elena Prögler und den einheimischen Kollegen um die Patienten auf der Isolationsstation kümmert. Die 32jährige hat ihren so wichtigen Einsatz trotz aller Anstrengungen sogar verlängert. Ermöglicht hat das auch Dr. Dr. Yves Garnier, Chefarzt des Klinikums Osnabrück, der seine Mitarbeiterin nun einige weitere Wochen für unser Projekt freistellt.

Während unsere Mediziner die Ebola-Patienten versorgen, arbeitet unser Sozialarbeiter Ole Hengelbrock mit Hochdruck an einem Heim für Kinder, deren Eltern an Ebola erkrankt oder verstorben sind. Die ersten Ebola-Waisen haben wir bereits in unserem Straßenkinderheim Pikin Paddy aufgenommen. Doch die Anzahl an elternlosen Kindern steigt mit jedem Tag – deswegen ist ein zusätzliches Heim notwendig, in dem die Kinder aufgenommen und versorgt werden, die aus dem Behandlungszentrum als gesund entlassen wurden.

Ein geeignetes Haus ist bereits gefunden und wird nun umgebaut und renoviert. Zudem muss das Wassersystem installiert, ein Ofen eingebaut und eine Dekontaminationsmöglichkeit eingerichtet werden. In voraussichtlich zwei Wochen können hier bis zu 26 weitere Kinder aufgenommen werden. Unser Team kümmert sich dann um die traumatisierten Kinder und bietet ihnen Annahme und Schutz. Unterstützt werden wir dabei von ehemaligen Ebola-Patienten, die die Erkrankung überstanden haben und jetzt immun gegen das Virus sind.