Weihnachten im Pikin Paddy

Von Dennis Wellmann

Dieses Jahr verbringe ich mein erstes Weihnachten im afrikanischen Sierra Leone . Schon während der Vorweihnachtszeit fühlte ich mich an die Atmosphäre in Deutschland erinnert. Die Menschen sind damit beschäftigt für die Festtage einzukaufen und alles vorzubereiten, was für ein Weihnachtsfest notwendig ist. Kommt einem ziemlich bekannt vor, nicht wahr? In den Monaten November und ganz besonders im Dezember ist die Hauptstadt Freetown mit Menschen überfüllt. Es ist Hochkonjunktur für Straßenverkäufer und Taschendiebe. Für Menschen sowie für Zwei- und Vierräder ist kaum ein Durchkommen möglich. Auch auf Weihnachtslieder muss ich nicht verzichten. Unglücklicherweise hat es Last Christmas der Gruppe Wham auch bis Westafrika geschafft…

In der Hagan Street, in der Straße, in der unser Straßenkinderprojekt Pikin Paddy beheimatet ist, ist es in diesen Tagen besonders geschäftig. In dieser Ecke kann man die höchste Konzentration von Menschen in ganz Freetown feststellen, da sich hier der größte Marktplatz befindet. Gerade in der Weihnachtszeit sind viele Kinder und Jugendliche auf eigene Faust vom Land in die Stadt unterwegs, auf der Suche nach einem vermeintlich besseren Leben. Diese Kinder finden wir dann nachts schlafend unter einem verlassenen Marktstand. Das ist die traurige Wahrheit, die ich in diesem Jahr zu Weihnachten zur Kenntnis nehmen muss. Auch wenn die Ebola-Epidemie offiziell beendet ist, so hat sich die soziale Situation für viele Kinder noch nicht zum Besseren verändert.

Die Sozialarbeiter, die Betreuer und alle, die an unserem Projekt mitarbeiten, werden nicht im Geringsten mutlos, dieses Problem anzugehen. Im Gegenteil: Im Pikin Paddy wird eine erstaunliche Energie freigesetzt, um Kindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Und gerade jetzt zur besinnlichen Jahreszeit denkt man noch intensiver als sonst an diejenigen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat. Für die Kinder, die im Moment bei uns im Center sind, versuchen wir diese vom Alltag etwas abzulenken. Normalerweise besuchen sie eine von uns organisierte Ganztagsschule, damit sie ein gutes Basiswissen für eine öffentliche Schule mitbringen, wenn sie wieder zu Hause sind. An den Feiertagen werden die Kinder Gelegenheit haben, d ihre Seele baumeln zu lassen und zu spielen. Sie dürfen einfach mal Kind sein. Die Küche wird wie immer ein wunderbares Essen kreieren. Auch Süßigkeiten stehen auf dem Programm. All die Sachen, die ich als Kind auch genießen durfte.

Die Kinder liegen natürlich nicht faul rum. Sie werden Fußball spielen, zeichnen, malen, lesen, musizieren, all das, was ihnen Spaß macht. Ich hoffe, dass die Kinder diese Weihnachtszeit genießen und ihre Sorgen und Ängste für einige Zeit vergessen lässt. Ich jedenfalls blicke in frohe und hoffnungsvolle kleine Gesichter.

Das Pikin Paddy wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.