Ein Jahr in der Dürre

Ein Rückblick von Dorothea Kumpf und Karina Busemann

Nur wenige Leute haben schon von Somaliland gehört. Die ersten Assoziationen sind meist Somalia, Anschläge und Piraten. Vielleicht weiß manch einer auch vom zurückliegenden Bürgerkrieg, Flüchtlingen oder der Dürre am Horn von Afrika. Dass die Somaliländer ein Volk sind die sich um Wohlstand und vor allem Stabilität bemühen, davon hört man nichts in den Nachrichten. Somaliland wird von der Weltgemeinschaft nicht anerkannt obwohl sie sich schon am 18 Mai 1991 für unabhängig erklärt haben.
Die Mehrzahl der Somaliländer zieht als Nomaden mit ihren Viehherden durchs Land. Aufgrund der Dürre verloren viele Familien ihre Tiere und damit ihre Lebensgrundlage und wurden gezwungen, sich in Flüchtlingscamps niederzulassen. Unter diesen Umständen, vor allem wegen der langanhaltenden Dürre und der extremen Armut der ländlichen Bevölkerung hat sich Cap Anamur entschieden in diesem Land Nothilfe zu leisten.

Was bisher getan wurde

Angefangen hat alles mit Wasser- und Nahrungsmittellieferungen in dem Distrikt Sabawanaag für die Dörfer und für verschiedene Flüchtlingslager in der Umgebung. So konnten 13.000 Menschen seit April 2017 mit dem Wichtigsten für das Überleben versorgt werden. Diese Hilfen sind aufgrund der anhaltenden Wasserknappheit auch weiterhin notwendig.
Cap Anamur unterstützt seit März 2017 ein Krankenhaus in Caynabo, was bis zu dem Zeitpunkt keinerlei Patientenversorgung gewährleisten konnte, weil die nötigen Ressourcen nicht vorhanden waren. In Zusammenarbeit mit einheimischem Personal kann inzwischen eine Basisversorgung angeboten werden. Unter anderem werden hier Krankheiten wie Masern, Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Verletzungen aller Art behandelt, sowie Geburtshilfe geleistet. Das Krankenhaus hat 40 Stationäre Betten und in das Versorgungszentrum kommen täglich 50 bis 70 ambulante Patienten. So konnten letztes Jahr über 1000 Patienten stationär und 9100 ambulant behandelt werden. Die Patienten kommen nicht nur aus der Ortschaft sondern auch aus den beiden Flüchtlingslagern die an die Stadt grenzen und dem weiteren Umland. Anders als sonst in Somaliland ist die Versorgung für alle Patienten kostenlos. Eine Herausforderung ist die Behandlung der vielen mangelernährten Kinder und Erwachsenen. Drei Mahlzeiten für bedürftige Patienten und manchmal auch für Mütter werden im Krankenhaus ausgegeben. Schwer unterernährte Patienten werden mit therapeutischer Nahrung versorgt.

Wie es weiter geht

Viel wurde schon erreicht in Caynabo, aber die Arbeit endet hier nicht. Wir versuchen kontinuierlich das Personal weiterzubilden, unsere Diagnostikmethoden und die Behandlungsmöglichkeiten zu erweitern. Problematisch sind oft die langen Wege, die die Menschen auf sich nehmen müssen, um das Krankenhaus zu erreichen. Das  führt dazu, dass die Patienten oft erst sehr spät und in schlechtem Zustand zu uns kommen oder sogar an gut therapierbaren Erkrankungen zu Hause in abgelegenen Ortschaften versterben. Wir planen daher unsere Arbeit auszuweiten und so die Versorgung in der Region zu verbessern. Ein mobiles Team aus Ärzten und Pflegern soll in Zukunft in größeren Ortschaften im Umkreis von etwa 200 Kilometern Sprechstunden abhalten. Ein weiteres Anliegen ist es, mit Informationsveranstaltungen das Verständnis für Krankheiten, Gesundheitsfürsorge, Familienplanung und Hygiene in der Bevölkerung zu fördern. Hier in Somaliland wird nach wie vor nämlich nicht nur traditionelle Medizin mit zweifelhaften Methoden betrieben, sondern auch die Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) sind weitverbreitet. Mit Aufklärungskampagnen durch geschultes somaliländisches Personal hoffen wir, den Kampf gegen FGM voranbringen zu können.