Medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Die Gewalt in Syrien ist ungebrochen, und ein Ende des Grauens nicht in Sicht. Es ist tragisch: Trotz aller militärischer und diplomatischer Bemühungen zeichnet sich keine Lösung für diesen Konflikt ab. Bisher haben hunderttausende Menschen ihr Leben verloren. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht: 6,5 Millionen als Binnenflüchtlinge, und etwa 5 Millionen Menschen suchen Schutz in den Nachbarländern Jordanien, Libanon, Türkei und Irak. Syriens Regierung und Rebellen verüben Kriegsverbrechen, und sogar die wenigen noch funktionstüchtigen Krankenhäuser werden gezielt bombardiert.

„Als medizinische Organisation bleibt uns ein nur sehr geringer Handlungsspielraum“, erläutert Bernd Göken, der Geschäftsführer von Cap Anamur. „Denn internationale Hilfsorganisationen werden gezielt angegriffen.“ Wir mussten das vor drei Jahren selbst miterleben, als unser Team, darunter auch Bernd Göken, in der syrischen Kleinstadt Azaz nur knapp einer Entführung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entging. Seit diesem Übergriff arbeiten wir in Syrien ausschließlich im Verborgenen und betreiben auf diese Weise mittlerweile drei Polikliniken in dem Bürgerkriegsland.

Neben der Unterstützung dieser Krankenhäuser engagieren wir uns für syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern, wo die Menschen zum Teil seit Jahren vergeblich auf eine Rückkehr in ihr Heimatland hoffen. Wir unterstützen zwei Kliniken in Jordanien und betreiben ein Projekt im Libanon, bei dem wir syrischen Männern, Frauen und Kindern durch den Transport in Krankenhäuser und die Bezahlung ihrer Behandlung eine medizinische Versorgung ermöglichen. Aktuell setzen wir ein weiteres Projekt um: eine Container-Klinik für Geflüchtete.

Aufbau einer Container-Klinik

Im Flüchtlingslager bei Rukban, im Niemandsland des syrisch-jordanischen Grenzgebiets, sitzen laut Angaben von Amnesty International mittlerweile rund 75.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge fest. Sie harren hier unter menschenunwürdigen Umständen aus und warten auf die Einreiseerlaubnis nach Jordanien – etliche von ihnen schon seit vielen Monaten.

Doch nach einem Autobombenanschlag auf einen nahe gelegenen Militärposten im Juni, bei dem sechs Soldaten starben, sperrte die jordanische Regierung das Gebiet weiträumig ab. Auch für internationale Helfer bleibt die jordanische Grenze verschlossen, und damit der Weg, über Jordanien Hilfslieferungen ins Flüchtlingslager zu bringen. Seit rund fünf Monaten sind diese Menschen nun schon weitestgehend von humanitärer Hilfe abgeschnitten: Es fehlt ihnen an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung.

Trotz der Abriegelung ist es unserem Team gelungen, eine Container-Klinik in das entlegene Wüstengebiet zu transportieren. Momentan versorgen die Ärztinnen und Ärzte in den sechs Containern rund 150 Kranke und Verletzte am Tag. Sie berichten von vielfältigen und teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. „Diese Menschen brauchen dringend unsere Hilfe“, betont Bernd Göken. „Vor allem die Kinder leiden unter den extremen Bedingungen in der Wüste. Bitte unterstützen Sie unsere so wichtige Arbeit mit einer Spende für Medikamente und medizinisches Personal.“