Unsere Arbeit vor Ort kann weiter stattfinden

Seit Mitte August herrscht durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan eine unsichere Lage. Besonders die Arbeit einer Hilfsorganisation wie Cap Anamur, wird durch den Machtwechsel beeinflusst – jedoch können wir unsere Arbeit aktuell weiterführen.

Täglich sind wir mit unserem Projektleiter Faisal Hadari im Austausch um die Situation vor Ort jeder Zeit richtig einschätzen zu können. Viele unserer lokalen Mitarbeiter:innen sind auch weiterhin für uns tätig und sorgen dafür, dass die medizinische Ausbildung und Versorgung fortgesetzt werden kann.

Die aktuelle Situation unserer Projekte in Afghanistan

Wir sind mit unseren Projekten in Herat, der zweitgrößten Stadt in Afghanistan. Neben einem Ausbildungsprogramm für Krankenpflegekräfte betreuen wir auch eine Dialysestation und ein Nachhilfeprojekt für einkommensschwache Schüler:innen.

Bereits vor zwei Wochen haben die neuen Machthaber unsere Projekte aufgesucht und unserer Hilfsorganisation wurde ein Ansprechpartner im neuen Regime zugewiesen.

Wir wurden aufgefordert die Arbeit weiterzuführen, jedoch die Ausbildungsklassen nach Geschlechtern zu trennen. Diese Trennung haben wir bereits mit Beginn des aktuellen Ausbildungskurse vorgenommen, da wir immer im Austausch mit örtlichen Entscheidungsträgern der afghanischen Regierung waren und diese Trennung schon früher gewünscht war.

Die Ausbildung der weiblichen Teilnehmerinnen darf bisher noch weitergeführt werden, da zu vermuten ist, dass den Taliban auch zukünftig an einer medizinischen Versorgung der Bevölkerung sehr gelegen ist. Und dazu tragen Frauen zu einem bestimmten Teil bei.

Eine ganz aktuelle Einschätzung der Lage gibt unser Projektleiter Faisal Haidari:

„Unsere Projekte in Herat werden bis auf Weiteres fortgeführt. Im derzeitigen Krankenpflege-Kurs sind nur Frauen. Sie dürfen nur noch von weiblichen Fachkräften unterrichtet und angeleitet werden. Das lässt sich organisieren, da das Provinzhospital normalerweise über einen großen Pool von Ärztinnen, Hebammen und Krankenschwestern verfügt. Wie viele vom Fachpersonal außer Landes geflüchtet sind, lässt sich derzeit schwer abschätzen!

Die weitere Unterstützung der Dialyse-Abteilung des Provinzkrankenhauses ist stark vom Material-Nachschub abhängig. Eine Überteuerung der Materialien bei Knappheit ist zu befürchten. Jedoch haben wir aktuell noch ausreichend Dialyse-Sets auf Lager um ohne Einschränkung arbeiten zu können.

Unser Nachhilfe-Projekt ist unmittelbar von der Frauen- und Bildungsfeindlichkeit der Taliban betroffen. Es wäre zu riskant den Unterricht, wie bisher, weiterzuführen. Vorerst werden nur Jungen von Lehrern unterrichtet. Es ist durchaus möglich, dass die Taliban nur bis zu einem bestimmten Alter, Frauen den Zugang zu Bildung gewähren wird. Auch viele Ausbildungs- und Studienberufe, wie z.B. Jura oder Ingenieurwesen, werden unter ihrer Herrschaft für Frauen evtl. verboten werden.

Die zentralen Fragen dieser Tage sollten sein: „Wie können wir der Afghanischen Zivilbevölkerung weiterhin helfen? Wie können wir den Menschen vermitteln, dass wir sie nicht im Stich lassen wollen?“ fasst unser Projektleiter die Situation vor Ort zusammen.

Cap Anamur wird die Priorität auf die Weiterführung der Projekte legen, damit so lange wie möglich eine berufliche Perspektive und eine Verbesserung der medizinischen Versorgung des Landes ermöglicht wird. Denn wir wollen die Menschen nicht im Stich lassen und ihnen eine Perspektive bieten, die ihnen so viele Jahre fehlte.